Was ist EcoVadis? Und warum filtern große Marken damit ihre Lieferanten?
EcoVadis ist ein unabhängiges ESG-Ratingsystem für Unternehmenslieferanten. Es deckt inzwischen mehr als 135 Länder und über 130 Branchen weltweit ab. Internationale Konzerne wie L'Oréal, Nestlé und LVMH nutzen es, um die Nachhaltigkeitsleistung ihrer vorgelagerten Lieferanten zu prüfen
Die Bewertung ist in vier Stufen gegliedert: Bronze (25. bis 44. Perzentil), Silber (45. bis 64. Perzentil), Gold (65. bis 84. Perzentil) und Platin (oberstes 1%). Bewertet werden unter anderem:
・Umwelt: Energie, CO2-Emissionen, Abfall, Biodiversität
・Arbeits- und Menschenrechte: Arbeitssicherheit, Löhne, Antidiskriminierung
・Geschäftsethik: Korruptionsprävention, Datensicherheit, Transparenz
・Nachhaltige Beschaffung: Management der eigenen Lieferkette
Für die erste Bewertung muss in der Regel ein Fragebogen mit rund 70 Fragen ausgefüllt werden. Dazu kommen Richtlinien, Energieberichte und Nachweise durch Dritte. Der gesamte Ablauf dauert etwa drei bis sechs Monate
Silber bedeutet: Das Unternehmen liegt unter den bewerteten Firmen in den besten 55%. Für viele große Marken reicht diese Schwelle bereits aus. Spitzenkunden, etwa europäische Luxusgüterkonzerne, beginnen aber, Gold als Eintrittskriterium zu setzen

Was zeigt der Fall Asahi?
Asahi Photoproducts ist ein wichtiger Anbieter von photopolymeren Flexodruckplatten. Druckereien für hochwertige flexible Verpackungen und Wellpapp-Faltschachteln weltweit setzen ihre Plattenmaterialien in großem Umfang ein. Im April 2026 schloss das Unternehmen seine erste EcoVadis-Bewertung ab und erhielt direkt Silber
Genau dieser Punkt, Silber gleich bei der ersten Teilnahme, ist bemerkenswert. Bei einer Erstbewertung ist Bronze oft schon ordentlich, weil das Dokumentationssystem meist noch nicht vollständig aufgebaut ist. Dass Asahi sofort Silber erreicht, zeigt: Auf Unternehmensebene gibt es bereits eine ziemlich systematische Nachhaltigkeitsstruktur. Das ist nicht erst kurz vor der Prüfung zusammengestelltes Material
Dahinter steht eine langfristige Strategie: Asahis Programm „Leading the Way to Solvent ZERO“. Ziel ist es, den Einsatz von Lösemitteln im Flexodruckprozess zu senken und auf wasserwaschbare Platten umzustellen (AWP, Aqueous Washable Plate). Diese Platten brauchen keine lösemittelbasierte Auswaschung. Das reduziert VOC-Emissionen und verringert zugleich die Umweltlast durch die Behandlung von Abfallflüssigkeiten
Anders gesagt: Das ESG-Rating wurde nicht durch saubere Dokumentenmappen erreicht. Es ist die externe Anerkennung echter Prozessänderungen
Was bedeutet das für Lieferkettenprüfungen taiwanischer Druckereien?
Wenn taiwanische Druckereien früher ein ESG-Audit durch Kunden durchliefen, ging es meist um „Ihre eigene Fabrik“: Stromverbrauch, Abwasserbehandlung, FSC-Zertifizierung, ISO 14001. Diese Grenze verschiebt sich gerade nach außen
Ich habe zuletzt mit mehreren Verpackungsdruckereien gesprochen, die nach Europa exportieren. Sie berichten, dass in Auditfragebögen europäischer Kunden inzwischen Fragen wie diese auftauchen: „Bitte listen Sie die wichtigsten von Ihnen eingesetzten Verbrauchsmateriallieferanten auf und geben Sie an, ob diese über EcoVadis oder eine gleichwertige ESG-Zertifizierung verfügen.“
Das ist kein Einzelfall. Die EU-Richtlinie zur unternehmerischen Nachhaltigkeitssorgfaltspflicht (CSDDD) drängt Markenunternehmen dazu, Verantwortung für die gesamte Lieferkette zu übernehmen. Das heißt: Sie müssen die ESG-Leistung der vorgelagerten Stufen nachvollziehen können, nicht nur die eigene Fabrik im Griff haben
Für taiwanische Druckereien entstehen daraus zwei sehr konkrete Fragen:
・Haben die Lieferanten Ihrer heutigen Photopolymerplatten, Druckfarben und Lösemittel irgendein ESG-Rating? Falls nicht, wie erklären Sie das dem Kunden?
・Wenn ein Lieferant kein Rating hat, gibt es eine Alternative? Oder können Sie ihn dabei unterstützen, eine Bewertung abzuschließen?
Kurzfristig wird das noch keine harte Zugangshürde sein. Bei Ausschreibungen für hochwertige Markenaufträge beeinflussen solche Details aber bereits die Bewertung

Was können kleine und mittlere Druckereien jetzt tun?
Viele kleine und mittlere Druckereien in Taiwan hören EcoVadis und denken sofort: „Das ist etwas für große Unternehmen.“ Stimmt so nicht. Die Kosten für eine EcoVadis-Bewertung hängen von der Unternehmensgröße ab und liegen grob zwischen rund 1.000 und mehreren tausend US-Dollar pro Jahr. Für kleinere und mittlere Hersteller gelten niedrigere Tarifbereiche. Bei der ersten Bewertung braucht es vor allem Zeit und sauber aufbereitete Unterlagen, keine zusätzliche Hardwareinvestition
Ein paar Dinge lassen sich sofort angehen:
・Erstellen Sie eine Übersicht Ihrer wichtigsten Verbrauchsmateriallieferanten und prüfen Sie, wer bereits EcoVadis oder gleichwertige Nachweise hat, etwa ISO 50001 oder einen Bericht zur CO2-Bilanzierung
・Wenn Sie bereits ISO 14001 oder ISO 9001 haben, können diese Dokumente im EcoVadis-Fragebogen direkt als Nachweise dienen. Das senkt den Vorbereitungsaufwand deutlich
・Klären Sie mit Plattenlieferanten wie Asahi, Kodak oder Flint, ob ESG-Ratings vorliegen. Bevorzugen Sie zertifizierte Rohmaterialien. In Kundenaudits bringt das Punkte
・Wenn Ihr Kunde bereits ESG-Daten zur Lieferkette verlangt, fragen Sie aktiv nach, nach welchem Standard gearbeitet wird. Dann können Sie das passende Dokumentenformat rechtzeitig vorbereiten
Niemand muss beim ersten Mal auf Gold zielen. Wenn die erste Bewertung Bronze bringt und ein System entsteht, gibt es für die nächsten Verbesserungen endlich eine klare Richtung
Der nächste Schritt für Nachhaltigkeitszertifizierungen in der Drucklieferkette
Was in der Branche in den letzten ein bis zwei Jahren deutlich stärker diskutiert wird, ist die Rückverfolgbarkeit von CO2-Emissionen in der Lieferkette. Marken wollen nicht nur wissen, wie viel CO2 Ihre Fabrik ausstößt. Sie wollen wissen, wie hoch der gesamte CO2-Fußabdruck eines Druckprodukts ist, von Papier, Plattenmaterial und Druckfarbe bis zur Weiterverarbeitung
Dass Asahi EcoVadis-Silber erhalten hat, bedeutet: Ein Knotenpunkt dieser Kette ist früh in Position gegangen. Als Nächstes werden voraussichtlich Druckfarbenhersteller, Papierlieferanten und Weiterverarbeiter nachziehen. Denn ihre Kunden, die Druckereien, werden früher oder später danach fragen
Für taiwanische Druckereien liegt genau hier die Chance. Wenn Sie jetzt eine ESG-Liste Ihrer Lieferanten aufbauen und Umweltdaten zu Plattenmaterialien und Druckfarben sammeln, gehen Sie vorbereitet in Gespräche über CO2-Offenlegung entlang der Lieferkette. Wer erst beginnt, wenn der Kunde es ausdrücklich verlangt, ist meistens zu spät
Bei FSC war es damals ähnlich: erst „brauchen nur die Großen“, später Standardausstattung auch für kleinere Betriebe. EcoVadis geht denselben Weg. Nur deutlich schneller

Kurz zusammengefasst
・Asahi Photoproducts hat bei der ersten EcoVadis-Bewertung direkt Silber erhalten. Das zeigt: Die ESG-Leistung von Druckverbrauchsmateriallieferanten ist inzwischen Teil eines rückverfolgbaren Systems
・EcoVadis ist kein Dokumentenspiel. Silber entspricht den besten 55% aller bewerteten Unternehmen weltweit und braucht echte Verbesserungen in den Prozessen als Grundlage
・Die Auditgrenze internationaler Marken wandert in der Lieferkette nach oben. Die Lieferantenlisten taiwanischer Druckereien werden früher oder später mit Kundenvorgaben abgeglichen
・Druckereien mit ISO 14001 oder ISO 9001 unterschätzen oft, wie niedrig der Dokumentationsaufwand für die erste EcoVadis-Bewerbung sein kann
・Wer jetzt eine ESG-Datenbank für Lieferanten aufbaut, schafft die Voraussetzung, um auch in zwei bis drei Jahren noch internationale Aufträge annehmen zu können
Weitergedacht
Der direkteste Schritt für kleine und mittlere taiwanische Druckereien lautet: Fragen Sie vor der nächsten Verlängerung von Einkaufsverträgen aktiv nach dem EcoVadis-Status Ihrer Platten- und Druckfarbenlieferanten. Nehmen Sie dieses Feld in Ihr Lieferantenbewertungsformular auf. Das kostet nichts, zeigt Ihnen aber früh, wo in Ihrer Lieferkette ESG-Lücken liegen
Für Marken, Designteams und Einkaufsabteilungen ist der Fall Asahi ein praktischer Referenzpunkt. Wenn Sie von einer Druckerei Nachhaltigkeitszertifikate verlangen, können Sie zusätzlich die ESG-Ratings der wichtigsten Plattenlieferanten anfordern. Damit reicht Ihr Audit wirklich von der Fabrikebene in die Lieferkettenebene hinein
Der Wert der integrierten Services von MINDS Printing (MINDS, gehobener, vollständig kundenspezifischer Akzidenzdruck) liegt in diesem Kontext darin, Kunden bei der Druckbeschaffung parallel beim Prüfen des Zertifizierungsstatus von Lieferanten zu unterstützen. Nachhaltigkeit bleibt dann kein Slogan, sondern wird zu einer überprüfbaren Bedingung
Weiterführende Lektüre
FAQ
- Welche Anforderungen müssen für EcoVadis-Silber erfüllt werden?
- EcoVadis-Silber bedeutet, dass ein Unternehmen unter den bewerteten Firmen in den besten 55% liegt, also im 45. bis 64. Perzentil. Bewertet werden Umweltmanagement, Arbeits- und Menschenrechte, Geschäftsethik sowie nachhaltige Beschaffung. In der Regel braucht es vollständige Unternehmensrichtlinien, Aufzeichnungen zum Energieverbrauch und Nachweise durch Dritte. Wer gleich bei der ersten Teilnahme Silber erhält, muss im laufenden Betrieb bereits ein systematisches Nachhaltigkeitsmanagement haben
- Wie viel kostet EcoVadis für kleine und mittlere Druckereien in Taiwan, und wie lange dauert es?
- Die Kosten hängen von der Unternehmensgröße ab. Für kleinere und mittlere Hersteller gelten niedrigere Tarife, grob etwa 1.000 bis mehrere tausend US-Dollar pro Jahr. Wenn ein Unternehmen bereits ISO 14001 oder ISO 9001 besitzt, können die zugehörigen Dokumente direkt als Nachweise im Fragebogen verwendet werden. Die gesamte Vorbereitung dauert meist etwa drei bis sechs Monate
- Warum prüfen internationale Marken inzwischen auch das ESG-Rating von Plattenlieferanten?
- Die EU-CSDDD, also die Richtlinie zur unternehmerischen Nachhaltigkeitssorgfaltspflicht, verlangt von Marken Verantwortung für Umwelt- und Menschenrechtsrisiken entlang der gesamten Lieferkette. Plattenmaterialien und Druckfarben, die eine Druckerei einsetzt, fallen in diesen Rückverfolgbarkeitsbereich. Kunden wie L'Oréal und Nestlé nutzen EcoVadis, weil es dafür einen vergleichbaren Bewertungsmaßstab liefert
- Was haben Asahis wasserwaschbare Platten (AWP) mit dem ESG-Rating zu tun?
- Asahi verfolgt seit Jahren die Strategie „Solvent ZERO“. Die wasserwaschbaren Platten (Aqueous Washable Plate) benötigen keine lösemittelbasierte Auswaschung und senken dadurch direkt VOC-Emissionen sowie den Aufwand für die Behandlung von Abfallflüssigkeiten. Solche realen Prozessverbesserungen sind eine zentrale Grundlage der EcoVadis-Bewertung. Das ist keine reine Dokumentenarbeit
- Verlieren taiwanische Druckereien Aufträge, wenn ihre Lieferanten kein EcoVadis-Rating haben?
- Kurzfristig werden die meisten Kunden das noch nicht als hartes Ausschlusskriterium nutzen. Bei Ausschreibungen für hochwertige Markenverpackungen zählen ESG-Unterlagen zur Lieferkette aber bereits als Plus- oder Minuspunkt. Führende europäische Kunden beginnen, Gold als bevorzugte Kooperationsbedingung zu setzen. Deshalb lohnt es sich, früh zu prüfen und wichtige Lieferanten beim Start einer Bewertung zu unterstützen
Quellen
- "・[EcoVadis Silver for Asahi Photoproducts · thepackagingportal.com
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