Was tun, wenn die Prooffarbe nicht stimmt? Zuerst die Bedingungen für die Farbabstimmung festlegen
Wenn ein Kunde den Proof erhält und findet, dass die Farbe nicht stimmt, schicke ich den Designer normalerweise nicht sofort zurück an die Datei. Viele Farbabweichungen liegen nämlich nicht an der Datei, sondern daran, dass alle unter anderem Licht, auf anderem Papier und mit anderen Referenzmustern vergleichen
Vor Ort müssen zuerst drei Dinge auf den Tisch: das freigegebene Referenzmuster, das Papier, auf dem tatsächlich gedruckt werden soll, und der Digitalproof oder Maschinenandruck der Druckerei
Die Farbbeurteilung gehört in eine Normlichtkabine. Nicht unter gelbem Bürolight, nicht am Fenster bei Tageslicht und nicht unter der Taschenlampe des Smartphones. Solche Lichtquellen verschieben Rot, Blau und Graustufen jeweils anders
Wenn die Markenfarbe ursprünglich aus einer Umrechnung zwischen CMYK und Pantone entstanden ist, sollte die Logik dieser Umrechnung zuerst im Schwesterartikel geprüft werden. Dieser Artikel behandelt nur die Fehlersuche, wenn die Farbe nach dem Proof oder an der Maschine abweicht
Mein erster Schritt ist immer zu klären, welches Muster überhaupt das Referenzziel ist. Ohne festgelegtes Freigabemuster werden alle späteren Korrekturen nur zu widersprüchlichen Meinungen

Wie beurteilt man Farbabweichungen beim Druckanlauf? Erst unterscheiden: Gesamtfarbstich oder lokales Problem
Beim Andruck ist der schlimmste Satz: „Irgendwie sieht es komisch aus.“ Damit kann der Drucker kaum arbeiten. Vor Ort muss das Problem in handhabbare Richtungen zerlegt werden
Wenn der ganze Bogen zu gelb, zu rot oder zu grau wirkt, prüft man zuerst Farbauftrag, Farb-Wasser-Balance, Papiercharge und Maschinenzustand. Solche Probleme betreffen den Gesamteindruck und lassen sich nicht durch die Änderung eines einzelnen Farbfelds lösen
Wenn nur die Markenfarbe, Hauttöne oder ein dunkler Hintergrund Probleme machen, muss man die Rasterwerte, Überdruckeinstellungen, lokale Farbdichte und Farbannahme des Papiers in diesem Bereich prüfen. Wenn nötig, sollte die Druckerei Vergleichsbogen derselben Platte mit unterschiedlichem Farbauftrag ziehen
Ich verlange vor Ort, dass die akzeptable Version direkt markiert wird, inklusive Uhrzeit, Maschine, Papier, Richtung der Farbkorrektur und freigebender Person. So verhindert man, dass die Auflage später wieder in den vorherigen Fehlerzustand zurückläuft
Farben abstimmen heißt nicht nach Gefühl „dunkler“ oder „heller“ zu rufen. Es heißt, den Farbstich in Korrekturanweisungen zu übersetzen, die die Druckerei tatsächlich ausführen kann
Farbtoleranzen müssen vorher klar sein, nicht erst beim fertigen Produkt
Viele Druckstreitigkeiten entstehen nicht, weil die Farbe gar nicht zu retten wäre, sondern weil vor dem Druck nie geklärt wurde, wie viel Abweichung akzeptabel ist. Erst beim fertigen Produkt wird dann subjektiv entschieden, ob es durchgeht oder nicht
Ich kläre schon in der Proofphase mit dem Kunden drei Ebenen: Darf die Hauptmarkenfarbe mit bloßem Auge abweichen, dürfen Nebenfarbflächen leicht wandern, und muss eine großflächige Hintergrundfarbe besonders an der Maschine überwacht werden?
Wenn die Corporate Color sehr kritisch ist, empfehle ich, den Toleranzbereich in der Freigabedokumentation festzuhalten. Mindestens muss klar notiert werden, welches Muster, welche Lichtquelle und welche Papiercharge als Bewertungsgrundlage gelten
Was in der Normlichtkabine akzeptabel aussieht, wirkt unter gelbem Messelicht oder unter Strahlern im Laden nicht automatisch identisch. Deshalb weise ich Kunden auch darauf hin: Wenn die spätere Nutzungssituation besonders ist, muss die Druckerei das früh wissen
Je früher Farbabweichungen schriftlich und klar geregelt werden, desto seltener muss man Druckprobleme später emotional verhandeln
Für die Farbabstimmung mit der Druckerei nutze ich diese SOP vor Ort
In der Praxis teile ich die Farbabstimmung in vier Schritte auf, damit Designteam, Kunde und Druckerei nicht jeweils nach einem anderen Standard arbeiten
Der erste Schritt ist, alle Referenzen bereitzulegen: freigegebenes Muster, Markenfarbfächer, tatsächliches Papier, Digitalproof und die neueste Druckdatei. Fehlt nur eines davon, wird die Beurteilung vor Ort riskant
Der zweite Schritt ist der Vergleich unter Normlicht. Keine Smartphonefotos in die Gruppe schicken und dort über Farbe entscheiden. Fotos werden durch Objektiv, Display und Messenger-Komprimierung weiterverarbeitet. Zur Dokumentation sind sie brauchbar, zur Farbbeurteilung nicht
Der dritte Schritt ist, von der Druckerei eine ausführbare Korrektur zu verlangen, etwa Farbauftrag anpassen, Maschinengeschwindigkeit senken, einen neuen Abstimmungsbogen ziehen oder die Papierlaufrichtung erneut prüfen. Nicht nur den Satz: „Diese Farbe lässt sich nicht drucken.“
Der vierte Schritt ist, das freigegebene Muster aufzubewahren und Zeitpunkt der Freigabe, verantwortliche Ansprechperson und Grundlage für die Auflage sauber zu notieren. Dieses Muster ist später die gemeinsame Sprache für Lieferung und Abnahme
Wenn Normlichtkabine, Muster, Toleranz und Freigabeprotokoll im Griff sind, ist Farbabweichung im Druck kein Glücksspiel mehr, sondern ein Vor-Ort-Prozess, den man Punkt für Punkt ausschließen kann

Kernaussagen
Hör auf, nach dem perfekten Softwarewert für die Umrechnung zu suchen. Der belastbare Weg ist der Vergleich mit physischen Farbdarstellungstabellen und Farbfächern
Die Farbannahme des Papiers entscheidet über Leben und Tod einer Farbe. Wer mit einem Farbfächer für gestrichenes Papier die Farbwiedergabe auf ungestrichenem Papier einfordert, landet sicher im Problem
Beim Digitalproof zu sparen ist falsch. Fehler abzufangen, bevor die Produktion anläuft, ist fast immer am günstigsten
Weitergedacht
Farbmanagement war nie nur ein technisches Thema. Es ist Kommunikationsarbeit zwischen Abteilungen
Für Designer heißt das: Wer Papier als Variable und Druckgrenzen früh in den Entwurf einbezieht, bringt gute Ideen vom Bildschirm deutlich sicherer aufs Papier
Für Einkauf und Markenverantwortliche bringt ein standardisierter Prozess für Farbabstimmung und Proofing mehr praktischen Nutzen als das Festklammern an irgendeinem Zahlenwert auf dem Monitor
So weit SaaS-Systeme und Online-Abmusterungstools heute auch sind: In dem Moment, in dem man vor Ort sieht, wie die Farbe aufs Papier kommt, zählen immer noch geschultes Auge und fachliches Urteil
FAQ
- Gibt es absolut exakte Werte für die Umrechnung von Pantone in CMYK?
- Nein. Dieselben Werte ergeben auf Bilderdruckpapier und Offsetpapier zwei unterschiedliche Farben. Das Papier muss immer mitgedacht werden. Am sichersten ist der Abgleich mit einer physischen Farbdarstellungstabelle
- Was tun, wenn der Kunde darauf besteht, mit CMYK exakt dieselbe Neonfarbe wie Pantone zu drucken?
- Direkt sagen: Das geht nicht. Der CMYK-Farbraum ist von Natur aus begrenzt. Bei Sonderfarben außerhalb des Farbraums, etwa sehr brillanten Orangetönen oder Neonfarben, bleibt nur, eine sinnvolle Farbabweichung zu akzeptieren oder zusätzliches Budget für den Druck mit Sonderfarbe einzuplanen
- Der Digitalproof sieht sehr genau aus. Warum weicht die Farbe im Auflagendruck trotzdem ab?
- Digitalproofs arbeiten nach dem Prinzip des Tintenstrahldrucks, während klassischer Offsetdruck von der Farb-Wasser-Balance an der Maschine abhängt. Bei farbkritischen Projekten empfiehlt sich ein Maschinenandruck oder die persönliche Druckabnahme vor Ort mit Feinabstimmung
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