Überblick
Ob Veredelungen wie Lackierungen und Folienprägungen recycelbar sind, hängt von der Art des Verfahrens ab. Klassische Folienkaschierungen und dick aufgetragener UV-Lack rauben dem Papier die Fähigkeit, im Pulper zerfasert zu werden. Dispersionsglanzlacke, Kaltfolientransfers und wasserbasierte Barrierebeschichtungen hingegen bewahren die vollständige Papierrecycelbarkeit
Wie die Langzeiterfahrung der Produktionsberater von MINDS zeigt, müssen Marken schon in der Konzeptphase die Recycelbarkeit der Weiterverarbeitung bewerten, damit nachhaltige Verpackungen am Ende nicht doch in der Müllverbrennungsanlage landen
Die Repulpierbarkeit (Wiederaufschlämmbarkeit) von Altpapier beschreibt die physikalische Eigenschaft von Papierprodukten, im Pulper ihre Fasern rasch voneinander zu lösen und Nicht-Papierbestandteile durch Siebung sauber abzutrennen

Recycling-Symbol gedruckt und trotzdem Müllverbrennung? Wie die Weiterverarbeitung die Wiederaufschlämmbarkeit zerstört
・Eine beidseitige BOPP-Folienkaschierung von 0,02 mm Stärke lässt sich im Wasser nicht auflösen. Beim Betrieb des Stofflösers verwickelt sich die Plastikfolie um die Rotormesser, woraufhin Papierfabriken die gesamte Charge oft direkt als Ausschuss ablehnen
・Die Verweilzeit im Pulper der Recyclinganlage beträgt nur 15 bis 20 Minuten. Löst sich die Oberflächenbeschichtung in dieser kurzen Zeit nicht ab, bleiben die Papierfasern in der Folie eingeschlossen und werden zusammen mit ihr zur Verbrennung abtransportiert
・Ich habe in der Produktion schon zu viele Tragschicksale erlebt: Designer wählen feinstes Feinpapier mit edler Haptik, lassen die Schachtel dann aber komplett mit stark haftender Glanzfolie kaschieren. Das legt dem Papier eine Plastikrüstung an, die den Wertstoffkreislauf dauerhaft durchtrennt – absolut schmerzhaft anzusehen
・Nur nicht zu schnell
Folienkaschierung, Dispersionslack und Kaltfolie: Wie unterscheiden sie sich beim Deinking in der Recyclinganlage?
・BOPP-Folienkaschierung: Folienstärke ca. 12 bis 18 µm; hervorragende Abrieb- und Wasserfestigkeit; beim Pulpen entstehen großflächige Folienfetzen, die sich nicht auflösen – Ausschlussquote in den Sortieranlagen der Papierfabriken von über 90 %
・UV-Lack: Schichtdicke ca. 3 bis 5 µm; hoher Glanz und hohe Oberflächenhärte; bildet nach der UV-Härtung ein vernetztes Harznetzwerk; die Partikelgröße beim Deinking ist zu groß, sodass sie sich in 0,15-mm-Schlitzsieben festsetzen und die Zentrifugalsortierung erschweren
・Dispersionslack (Glanz-/Mattlack auf Wasserbasis): Schichtdicke ca. 1 bis 3 µm; bietet grundlegenden Schutz vor Kratzern und Feuchtigkeit; emulgiert und dispergiert im warmen Pulperwasser extrem schnell – Passierquote beim Deinking und Sortieren von über 95 %
・Klassische Heißfolienprägung: Folienaufbau enthält 1 bis 2 µm PET-Trägerband und Schmelzkleber; starker Metallglanz; löst sich der Schmelzkleber nicht vollständig, bildet er feine Stickies (Klebpartikel), die den Papierstoff kontaminieren
・Kaltfolientransfer (trägerfreie Übertragung): Hauchdünne Metall-Kleberschicht ohne verbleibendes Trägermaterial; exzellente Wiedergabe feiner Linien; wird in der alkalischen Deinking-Flotation zusammen mit den Druckfarbenpartikeln im Schaum ausgetragen und ermöglicht den normalen Papierstoffkreislauf
・Wasserbasierte Barrierebeschichtung: Kunststofffreie Schutzschicht gegen Fett und Wasser; bildet eine wirksame Barriere gegen Wasserdampf und Öle; löst sich im Standard-Pulper der Papierfabrik zu 100 % auf und ermöglicht echtes Einstoff-Papierrecycling
Hohe Qualität und volles Recycling vereint: Kunststofffreie Strukturprägung und wasserbasierte Alternativen
・Wasserbasierte Barrieretechnologie: Mithilfe von Acrylat-Emulsionen und Nanodispersionstechnik wird eine extrem dünne physikalische Barriereschicht auf der Papieroberfläche erzeugt, die eine Fettbeständigkeit von Kit 7 oder höher erreicht – völlig ohne PE- oder BOPP-Beschichtung
・Kunststofffreie Strukturprägung: Mithilfe von Prägestempeln aus Stahl unter hohem Druck werden Leder-, Holz- oder geometrische Feinstrukturen in Karton oder Baumwollpapier geprägt. So entsteht ganz ohne chemische Beschichtungen ein meisterhaftes haptisches Erlebnis
・Kombination aus Kaltfolie und partiellem Dispersionsglanzlack: Metallische Dekorelemente werden per Kaltfolientransfer aufgebracht und mit partiellem Wasserlack veredelt. Das bewahrt edlen Glanz, ohne die Effizienz der Flotations-Deinking-Sortierung in der Recyclinganlage zu beeinträchtigen
・Ganz einfach
Die drei Prüfstufen von MINDS (MS): Wie Sie Verpackungen als Recyclingfalle schon im Angebot verhindern
・Drei Kontrollstufen vor dem Druck bei MINDS (MS, hochwertige maßgeschneiderte Akzidenz- und Verpackungsdrucke) ① Abstimmung von Papier und Schutzfunktion: Verwendungszweck der Verpackung klären; bei Trockengütern und Präsentkartons Dispersionslack statt Folienkaschierung bevorzugen; wasserbasierte Barrierebeschichtungen nur bei gezieltem Fett- und Wasserschutz einsetzen
・Drei Kontrollstufen vor dem Druck bei MINDS (MS) ② Veredelungsfläche und Deinking-Grenzen: Fläche von Prägung und UV-Lack auf maximal 30 % einer Seite begrenzen, damit flächendeckend vernetzte Lackschichten nicht die Schlitzsiebe der Sortieranlagen verstopfen
・Drei Kontrollstufen vor dem Druck bei MINDS (MS) ③ Demontagefreundliches Strukturdesign: Multi-Material-Verpackungen müssen mit Aufreißperforationen oder leicht trennbaren Steckverschlüssen versehen werden, damit Verbraucher Papier und Plastik vor der Entsorgung in zwei Sekunden trennen können
・Sollten Sie Fragen zur Recycelbarkeit kombinierter Veredelungsverfahren haben, steht Ihnen das Beraterteam der Mai Strategy Wissensakademie jederzeit für eine Materialbewertung vor der Druckfreigabe zur Verfügung

Das Wichtigste auf einen Blick
・Folienkaschierung ist der größte Recyclingkiller bei Papierverpackungen: Da sie sich im Pulper nicht auflöst, führt sie oft zur Abweisung der gesamten Papierstoffcharge
・Dispersionslacke und wasserbasierte Barrierebeschichtungen bieten zuverlässigen Schutz und behalten gleichzeitig eine Repulpierbarkeits-Passierquote von über 95 %
・Kaltfolientransfer lässt sich in der Deinking-Flotation deutlich leichter mit dem Schaum austragen als klassische Heißfolienprägung und ist die ideale Wahl für nachhaltige Effekte
・Nachhaltige Verpackungsentwicklung erfordert die Abstimmung von Material, Veredelung und Demontierbarkeit – Halbherzigkeiten verhindern echtes Recycling
Denkanstöße
Für Einkäufer und Grafikdesigner bedeutet nachhaltiges Verpackungsdesign keineswegs den Verzicht auf Veredelung, sondern die gezielte Wahl deinkingfreundlicher Verfahren
In Zukunft können Druckereien und SaaS-Plattformen mithilfe von AI-Algorithmen bereits beim Ausschießen die Veredelungsquote der Schachtel berechnen und einen Repulpierbarkeits-Risikoscore ausgeben. So können Designer die Veredelungskombination rechtzeitig anpassen, bevor sie den Druckauftrag erteilen
Weiterführende Beiträge
・Umweltfreundliche Weiterverarbeitung wählen: Sechs Veredelungsverfahren im Vergleich hinsichtlich Recycelbarkeit und Haptik
・Kriterien für umweltfreundliche Weiterverarbeitung
・Recycling-Symbol gedruckt, aber ab in die Verbrennung? Ein Branchenberater analysiert Stolperfallen bei der Verpackungsveredelung
・Schluss mit Plastikkaschierung! Wasserbasierte Lacke und nachhaltige Veredelungen für wasser- und fettabweisende Verpackungen
FAQ
- Können Schachteln mit Dispersionslackierung wirklich direkt in die Altpapiertonne gegeben werden?
- Ja. Dispersionslack emulgiert und löst sich im warmen Pulperwasser der Papierfabrik rasch auf, ohne an den Papierfasern zu haften. Er entspricht vollumfänglich den Standards für das normale Altpapierrecycling
- Beeinträchtigt eine zu große Folienprägefläche die Recyclingklasse der Schachtel?
- Ja. Übersteigt die geprägte Fläche 30 % einer Seite, belasten Klebeschicht und Folienpartikel die Flotation im Deinking-Becken. Es wird empfohlen, auf Kaltfolientransfer umzusteigen oder die Prägefläche zu reduzieren
- Ist die Fettbeständigkeit wasserbasierter Barrierebeschichtungen gut genug, um Plastikbeschichtungen bei Lebensmittelverpackungen vollständig zu ersetzen?
- Wasserbasierte Barrierebeschichtungen mit einem Fettresistenzwert von Kit 7 oder höher reichen für die meisten Trockengüter, Gebäckschachteln und fettbeständigen Kartons völlig aus und ermöglichen eine 100-prozentige Repulpierbarkeit
- Gibt es recycelbare Alternativen, wenn unbedingt eine Hochglanzoptik gewünscht ist?
- Es können hochglänzende Dispersionslacke oder wasserbasierte UV-Lacke eingesetzt werden. Sie bieten einen kräftigen Glanz nahe einer Glanzfolie, ohne unverrottbare Folienreste oder zähe Stickies zu erzeugen
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