Warum die FESPA dieses Jahr auf ein „Sechs-Messen-in-einer“-Konzept setzt
Wer die europäische Branchendynamik verfolgt hat, dem dürfte aufgefallen sein: Die FESPA in Barcelona im Mai war etwas anders als sonst
Der Veranstalter bündelte die Global Print Expo, European Sign Expo, Personalisation Experience, WrapFest (Fahrzeugfolierung), Corrugated Packaging und Digital Textile Print unter einem einzigen Dach
Das war kein reines Rabattpaket für Ausstellungsfläche, sondern traf exakt den Schmerzpunkt heutiger Auftraggeber: Niemand will nur noch ein einzelnes Produkt bestellen
Den offiziellen Zahlen nach ging das Konzept voll auf: 15.495 Fachbesucher wurden gezählt – ein Plus von satten 10 % gegenüber dem Vorjahr
Die Wege der Besucher auf dem Messegelände sprachen eine deutliche Sprache: Nach dem Großformatdruck ging es direkt weiter zu Digitaldruck auf Textilien und Lichtwerbung
Das zeigt eine klare Realität: Kunden suchen Lieferanten, die verschiedene Materialien aus einer Hand bedienen können. Die Maschinenhersteller haben diesen Trend längst erkannt und stellen sich entsprechend breit auf

Beschaffungsbudgets steigen um 20 %: Was wird tatsächlich gekauft?
Ein Messebesuch dient nicht nur dem Anschauen neuer Maschinen. Entscheidend ist, wohin das Geld fließt
Die überraschendste Zahl der diesjährigen Messe: Der Median des Gesamtbudgets der Besucher kletterte auf 3,5 Milliarden Euro – ein Zuwachs von mehr als 20 % gegenüber dem Vorjahr
Zudem waren 85 % der Besucher Entscheidungsträger mit echter Budgetverantwortung – Direktoren, CEOs oder Inhaber
Diese Entscheider achten in den Hallen nicht nur auf reine Druckgeschwindigkeit. Sie prüfen, ob eine Maschine neue vertikale Märkte erschließen kann
Canon etwa rückte die Einsatzmöglichkeiten des digitalen Print-on-Demand in den Bereichen Dekoration, Personalisierung und Wellpappenverpackungen in den Fokus
Mittelständische Druckereien in Taiwan sollten genau hinsehen: Wenn europäische Druckunternehmen mit hohen Budgets in Multifunktionssysteme investieren, zeigt das, dass reale Großaufträge für Materialmixe längst da sind
Wer bei Neuanschaffungen heute noch starr auf ein einziges Material setzt, wird in drei Jahren bei der Abschreibung ein böses Erwachen erleben
Wie mittelständische Druckereien in Taiwan auf die Multi-Material-Welle reagieren sollten
Man könnte einwenden, dass der europäische Markt anders strukturiert ist als der in Taiwan. Doch der Wunsch von Kunden, Komplexität bequem an einen einzigen Partner auszulagern, gilt überall
Im Rückblick auf das Podiumsgespräch zum Digitaltextildruck und im Kontext der Messetrends zeichnet sich ein klares Bild ab
Sobald sich die Kostenkurve bei Kleinauflagen unter 500 Stück dreht und der Digitaltextildruck erschwinglich wird, wird er zur natürlichen Erweiterung des bestehenden Akzidenz- oder Verpackungsgeschäfts
Für Druckereien in Taiwan geht es jetzt nicht darum, überstürzt die neuesten Maschinen zu kaufen
Vielmehr sollten sie ihren bestehenden Kundenstamm analysieren: Gibt es dort potenziellen Bedarf an Heimtextilien, Fahrzeugbeschriftungen oder Wellpappenverpackungen?
Mithilfe von Partnern wie MINDS, die über eine starke Multi-Material-Integrationskompetenz verfügen, lassen sich solche Aufträge zunächst kooperativ abwickeln
Erst wenn das Auftragsvolumen stabil ist, sollte evaluiert werden, ob bestimmte Produktionslinien ins eigene Haus geholt werden. Das ist die risikominimierte Strategie

Das Wichtigste auf einen Blick
・Die Grenzen einzelner Materialien lösen sich auf: Kunden bevorzugen zunehmend Komplettanbieter für Akzidenzdruck, Werbetechnik und Textilien
・Die Beschaffungsbudgets europäischer Druckbetriebe stiegen um 20 % – der Fokus liegt auf Print-on-Demand-Technologien für Dekoration, Personalisierung und Verpackung
・Druckereien in Taiwan sollten Marktchancen bei branchenübergreifenden Aufträgen zunächst über externe Integrationsdienstleister testen und erst nach genauer Bedarfsanalyse in eigene Maschinen investieren
Weiterführende Überlegungen
Die FESPA hat eine deutliche Botschaft hinterlassen: Der zukünftige Wettbewerb wird nicht über die reine Druckgeschwindigkeit gewonnen, sondern über die Anbindung an möglichst vielfältige Anwendungsszenarien
Für Druckhersteller und Softwareanbieter in Taiwan bedeutet das: Künftige Systembetriebsschnittstellen müssen Angebote und Werkstattaufträge über unterschiedlichste Fertigungsverfahren hinweg nahtlos verknüpfen
Auch Designer und Brand-Kunden können mutiger agieren und Corporate Identities gleichzeitig auf Papier, Textil und dreidimensionalen Verpackungen umsetzen – die fertigungstechnischen Hürden in der Produktion sind heute um ein Vielfaches niedriger als gedacht
Weiterführende Literatur
FAQ
- Warum verzeichnete die FESPA in diesem Jahr einen deutlichen Besucheranstieg?
- Der Veranstalter verzichtete auf eine Monothematik und setzte auf ein Kombiformat aus sechs Teilbereichen. Dies traf exakt die Beschaffungsbedürfnisse von Entscheidern mit branchenübergreifenden Anforderungsprofilen, die so alle Lösungen bei einem einzigen Messebesuch evaluieren konnten
- Nach welchen Anlagentypen suchten europäische Unternehmen vorrangig auf der Messe?
- Die Präsentationsschwerpunkte der Hersteller zeigten klar: Gesucht wurden Print-on-Demand-Systeme für den Einsatz über verschiedene vertikale Märkte hinweg – etwa digitale Drucksysteme, die Raumausstattung, personalisierte Produkte und Kleinauflagen von Wellpappenverpackungen gleichermaßen abdecken
- Wie sollten mittelständische Druckbetriebe in Taiwan die Signale dieser Messe interpretieren?
- Das Signal ist eindeutig: Hybrid- und Multi-Material-Aufträge werden zum Standard. Druckereien in Taiwan empfiehlt sich, ihr Leistungsportfolio zunächst über Kooperationen oder Integrationsplattformen zu erweitern. Erst wenn der tatsächliche Bedarf der Kunden an materialübergreifenden Lösungen feststeht, sollten gezielte Investitionen in neue Multifunktionsanlagen getätigt werden
Quellen
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