Warum setzt Komori auf gedruckte Elektronik?
Komori expandiert in die gedruckte Elektronik, weil der klassische Bogenoffset an die Grenzen gesättigter Märkte stößt – während die Elektronikfertigung genau das braucht, was Druckmaschinen am besten können: stabiler Farbauftrag, mikrometergenaue Passung und präzise Schichtdickenkontrolle
Die Komori Corporation ist ein traditionsreicher japanischer Druckmaschinenhersteller, der Akzidenz-, Verlags- und Verpackungsdruckern vor allem durch seine Bogenoffsetmaschinen bekannt ist. Beim Offsetdruck (Flachdruck) wird das Druckbild zunächst auf ein Gummituch und von dort auf Papier oder Karton übertragen – ideal für die stabile Massenproduktion im Akzidenz- und Verpackungsbereich
Laut einem Bericht über Komoris Neuausrichtung auf gedruckte Elektronik vom 7. August 2026 erzielte Komori im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 23,1 Milliarden Yen (+2,5 % im Vorjahresvergleich) und einen Auftragseingang von 33,2 Milliarden Yen. Über 70 % des Umsatzes stammen aus internationalen Märkten. Diese Zahlen belegen: Das Kerngeschäft trägt die Investitionen weiterhin solide, während die zweite Wachstumskurve bereits Kontur annimmt

Wie funktioniert gedruckte Elektronik?
Bei der gedruckten Elektronik werden die klassischen Steuerungen von Farbwerk, Sieb, Bahnspannung, Passgenauigkeit und Trocknung auf das präzise Auftragen und Strukturieren funktionaler elektronischer Materialien übertragen
Unter gedruckter Elektronik versteht man die additive Fertigung von Leiterbahnen, Sensoren und Antennen durch das Aufdrucken leitfähiger Tinten, Pasten, funktioneller Schichten oder Folien. Der Schlüssel liegt im Schichtauftrag und der Registergenauigkeit. Komori treibt diesen Bereich über die Tochtergesellschaft Seria Corporation voran – von elektronischen Schaltungen über Micro-LEDs und RFID bis hin zu Perowskit-Solarzellen und Halbleiter-Interconnects
・Touch-Sensoren: Hier kommt es auf den gleichmäßigen Auftrag transparenter leitfähiger Schichten an; kleinste Fehlstellen führen sofort zu Ausfällen bei der Berührungserkennung
・RFID-Antennen: RFID (Radio-Frequency Identification) ermöglicht über Antenne und Chip das berührungslose Auslesen von Objektdaten – weit verbreitet in Bestandsmanagement, Logistik, Fälschungsschutz und Ticketing
・Halbleitersubstrate und Interconnects: Hier geht es um ultrafeine Leiterbahnbreiten, engste Toleranzen und Reinraumbedingungen – das ist bereits die Sprache der Halbleiterindustrie
Gibt Komori den Offsetdruck auf?
Nein, Komori gibt den Offsetdruck keineswegs auf. Klassische Druckmaschinen bleiben der wichtigste Ertragspfeiler – der Auftragseingang bei Bogenoffsetmaschinen legte sogar um 46 % zu
Komori gliedert sein Geschäft derzeit in vier Säulen. Diese Aufstellung entspricht genau dem Transformationsmuster, das ich in den letzten Jahren bei etablierten Maschinenbauern beobachte: Das Kerngeschäft sichern, während das Wachstum in funktionale Materialien, Elektronik und anspruchsvolle Sicherheitsanwendungen verlagert wird
・Offsetdruck: Bedient Akzidenz-, Verlags- und Verpackungsdruckereien und bleibt das bekannteste Standbein von Komori
・Sicherheitsdruck: Spezialverfahren, Sicherheitsfarben und komplexe Guillochen zum Schutz vor Fälschungen, vor allem für Banknoten, Pässe und Ausweisdokumente. Komori beliefert Notenbanken und Sicherheitsdruckereien in über 30 Ländern
・Digitaldruck: Deckt variable Daten, Kleinauflagen und hochgradig personalisierte Drucksachen ab, bei denen Bogenoffset wirtschaftlich unrentabel ist
・Gedruckte Elektronik: Bringt Drucktechnologie in Leiterplatten, RFID, Micro-LEDs und Halbleiter-Packaging
Als ich mir vor kurzem die Positionierung der Komori J-throne 29 angesehen habe, fiel mir schon auf, dass die Kommunikation weg vom reinen Maschinenverkauf hin zu integrierten Gesamtlösungen geht. Die neue Vierteilung der Geschäftsbereiche bringt diese Ausrichtung jetzt glasklar auf den Punkt

Welche Warnsignale ergeben sich für kleine und mittlere Druckereien?
Das Warnsignal für mittelständische Druckereien: Das weltweite Wachstum im Akzidenzdruck liegt inzwischen unter 1 % pro Jahr. Investitionen in neue Maschinen dürfen nicht mehr aus reiner Gewohnheit vergangener Auftragsstrukturen getätigt werden
Während sich die Märkte in Japan und Nordamerika in Komoris aktuellem Quartal verlangsamten, wuchsen die Umsätze in Europa um 41 % und in Greater China um 74 %. Der Bedarf an Drucktechnik existiert also weiterhin – doch die Aufträge wandern zu Betrieben, die effizienter arbeiten und hybride Fertigungsprozesse beherrschen. Wer auf die falsche Maschinentechnologie setzt, zahlt den Preis oft nicht nur ein Quartal lang, sondern über den gesamten Abschreibungszeitraum
ISO 12647 (Prozessstandard Offsetdruck / Farbmanagement) definiert verbindliche Farbziele für Prüfdruck und Auflagendruck, damit Druckerei, Gestaltung und Auftraggeber dieselbe Sprache sprechen. Mittelständische Betriebe müssen erst diese Hausaufgaben solide beherrschen, bevor sie über variable Daten, Sicherheitsmerkmale, Smart Labels oder Elektronikkomponenten nachdenken. Die Reihenfolge muss stimmen
・Bestehende Offset-Linien prüfen: Farbstabilität, Termintreue und Fehlerquellen in der Weiterverarbeitung zuerst in den Griff bekommen
・Wenn Kunden vermehrt nach fortlaufender Nummerierung, Kopierschutz oder Rückverfolgbarkeit fragen: Digitaldruck und Sicherheitsdruck ganz oben auf die Evaluierungsliste setzen
・Wenn ein Maschinenhersteller nur mit Druckgeschwindigkeit und Bogenleistung wirbt, aber bei Substraten, Service und QS-Support vage bleibt: Finger weg vom Kaufvertrag
Was sollten Markenartikler und Auftraggeber jetzt tun?
Auftraggeber und Markenunternehmen sollten zunächst ihre regulären Druckspezifikationen sauber definieren, bevor sie evaluieren, ob Sicherheitsmerkmale, Track-and-Trace oder Smart Packaging wirklich für ihre Beschaffung relevant sind
Nur keine Eile
Komoris Übernahme der Maruyama Chiller Corporation zielt primär auf Kühlsysteme für die Halbleiterfertigung und Elektronikkunden ab – für normale Markenkunden ist das noch weit weg. Doch die Richtung ist eindeutig: Künftige Druckprodukte werden weit mehr mit Funktionswerkstoffen, Identifikation und Datenströmen zu tun haben als nur mit gutem Layout
Gewöhnliche Auftraggeber sichern sich am besten mit der Drei-Stufen-Druckprüfung von Mai Strategy ab und behalten die kontrollierbaren Faktoren im Griff:
・Bedarfsprüfung: Verwendungszweck, Auflage, Liefertermin und Budget im Vorfeld festlegen. Bei anspruchsvollen Substraten und exaktem Markenfarbmanagement empfiehlt sich MINDS, für Standardprodukte und Online-Bestellungen MINDS
・Druckdatenprüfung: Vor der Reinzeichnung Beschnitt, Auflösung, Farbmodus und Veredelungspositionen prüfen – Druckprobleme gehören nicht erst an die Maschine, sondern im Prepress gelöst
・Abnahmeprüfung: Beim Andruck oder Proof auf Markenfarben, Haptik des Bedruckstoffs und Weiterverarbeitung achten; mündliche Absprachen ersetzen niemals ein verbindliches Muster
Das reicht völlig

Kompakt zusammengefasst
・Komoris Einstieg in die gedruckte Elektronik mahnt Druckereien, Neuinvestitionen nicht allein an das reine Papiervolumen zu koppeln
・Bogenoffset bleibt profitabel, doch die Decke in gesättigten Märkten verzeiht immer weniger Fehlentscheidungen
・Mittelständische Betriebe sollten erst Farbmanagement, Termintreue und Prepress-Workflows stabilisieren, bevor sie in variable Daten, Sicherheitsdruck oder Smart Packaging investieren
・Markenkunden müssen nicht jedem Hightech-Schlagwort hinterherlaufen – entscheidend ist, jeden Druckauftrag in glasklare, abnahmefähige Spezifikationen zu gießen
Weiterführende Gedanken
Für Druckereien lautet der nächste Schritt nicht, blind Maschinen für gedruckte Elektronik zu kaufen, sondern bestehende Daten aus Offset, Digitaldruck, Weiterverarbeitung und QS so aufzubereiten, dass fundierte Investitionsentscheidungen möglich werden. Gestalter müssen bei der Druckdatenabgabe Materialien, Farbräume und Veredelungsgrenzen noch genauer mitdenken. Für KI-Entwickler und SaaS-Teams liegt der greifbarste Hebel in automatisierter Kalkulation, Preflight-Prüfung, Maschinenbelegung und Spezifikationsmanagement – genau dort, wo es in Druckereien täglich wehtut
Weiterführende Links
FAQ
- Bedeutet Komoris Ausrichtung auf gedruckte Elektronik das Ende des Offsetdrucks?
- Nein. Klassische Bogenoffsetmaschinen bleiben Komoris wichtigster Ertragsbringer; im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 stiegen die Auftragseingänge im Bogenoffset sogar um 46 %. Der Unterschied ist, dass Komori seine künftige Wachstumskurve gezielt in die Elektronikfertigung verlängert
- Worin unterscheidet sich gedruckte Elektronik vom klassischen Druck?
- Gedruckte Elektronik nutzt Druckverfahren, um leitfähige Tinten, Pasten oder funktionale Schichten aufzutragen und so Leiterbahnen, Sensoren, RFID-Antennen oder Halbleiter-Interconnects herzustellen. Klassischer Druck dient primär der visuellen Wiedergabe von Text und Bild auf Papier, Karton oder Folie
- Sollten kleine und mittlere Druckereien jetzt sofort in neue Maschinen investieren?
- Mittelständische Druckereien sollten Maschinenentscheidungen nicht allein an Druckgeschwindigkeit und Bogenleistung festmachen. Zunächst muss geprüft werden, ob bei Kunden tatsächlich Bedarf an Kleinauflagen, variablen Daten, Fälschungsschutz oder Rückverfolgbarkeit besteht – erst dann lohnt sich die Evaluierung von Digitaldruck, Sicherheitsdruck oder hybriden Verfahren
- Müssen Markenunternehmen jetzt sofort auf Smart Packaging umsteigen?
- Markeninhaber müssen nicht jedem Trend hinterherlaufen. Wichtiger ist, Verwendungszweck, Auflage, Lieferzeiten, Budget, Farbverbindlichkeit und Weiterverarbeitungsvorgaben präzise abzustimmen. Erst wenn handfeste Anforderungen an Fälschungssicherheit, Logistik-Tracking oder Kundeninteraktion bestehen, sollten RFID- oder Serialisierungslösungen evaluiert werden
- Für wen eignet sich die Drei-Stufen-Druckprüfung von Mai Strategy?
- Die Drei-Stufen-Druckprüfung von Mai Strategy richtet sich an Erstbesteller, Marken mit strengen Corporate-Design-Farben oder Kunden mit häufigen Prepress-Fehlern. Durch die strukturierte Aufteilung in Bedarfs-, Daten- und Abnahmeprüfung werden Produktionsrisiken frühzeitig ausgeschlossen
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