Was macht Nestlé Malaysia richtig?
Nestlé Malaysia bringt Kreislaufverpackungen (circular packaging) aus einzelnen Pilotprojekten in eine skalierte Umsetzung. Ziel ist es, die CO₂-Bilanz der gesamten Verpackung zu senken. Im Bericht von Packaging Insights sind drei Stoßrichtungen klar zu erkennen: recycelbare Monomaterial-Flexpackungen, Faltschachteln mit Recyclinganteil und farbsparendes Design
Jede dieser Maßnahmen ist für sich genommen nicht neu. Relevant wird es durch die Kombination. Monomaterial-Flexpackungen sollen in bestehende Recyclingströme passen, also PE zu PE, PP zu PP, statt dreischichtiger Verbunde wie PET/AL/PE. Faltschachteln mit Recyclinganteil schreiben die Herkunft des Altpapierzellstoffs in die Beschaffungsspezifikation. Farbsparendes Design verhindert, dass Druckfarben den Recyclingprozess blockieren. Marken wollen nicht mehr nur „CO₂ reduzieren“, sie schreiben die Methode direkt in RFP (Request for Proposal, Ausschreibung) und BOM (Bill of Materials, Stückliste)
Für Druckereien ist das der Beginn eines neuen Auftragssignals: Gefragt ist nicht mehr nur „günstig und sauber drucken“, sondern „nachweisen können, wie viel CO₂ diese Verpackung einspart“

Was werden Marken im RFP zusätzlich abfragen?
In der RFP-Phase werden die zusätzlichen Fragen vor allem in drei Feldern auftauchen. Diese drei Felder entscheiden, ob man in die nächste Runde kommt
・CO₂-Fußabdruckbericht: Gefragt ist nicht der Satz „wir sind sehr nachhaltig“, sondern konkrete kgCO₂e-Werte nach ISO 14067 (Standard zur Quantifizierung und Kommunikation des Product Carbon Footprint), inklusive Systemgrenzen und Berechnungsgrundlage
・Recyclinganteil: Anteil des Rezyklats, Herkunft des Rezyklats (PCR, also Post-Consumer-Recycling, oder PIR, also Post-Industrial-Recycling), dazu mögliche Drittzertifizierungen wie FSC (Forest Stewardship Council, für Papierfasern) oder rPET-Zertifizierung
・Kunststoffreduktionskonzept: Monomaterial-Struktur, Ergebnisse von Recycelbarkeitstests, Erläuterung der Designänderungen zur Farbreduktion und zum Verzicht auf Aluminiumschichten
Diese drei Unterlagen waren früher Schmuckwerk im ESG-Bericht. Heute sind sie die Eintrittskarte zur Ausschreibung. Compliance und Einkauf der Marken werden sie gegeneinander prüfen. Fantasiezahlen halten dort nicht stand
Der direkteste Weg ist ein RFP-Check mit dem Beratungsteam der Mai Strategy Wissensakademie. So wird einmal sauber geklärt, welche Felder die eigene Druckerei liefern kann und welche nicht, bevor der Auftrag verloren geht
Warum müssen Druckereien LCA-Kompetenz aufbauen?
LCA (Life Cycle Assessment, Lebenszyklusanalyse) berechnet die Emissionen einer Verpackung Schritt für Schritt, von Rohstoffgewinnung, Herstellung, Transport und Nutzung bis zu Recycling und Entsorgung. Ohne LCA gibt es keine belastbare Grundlage für den kgCO₂e-Wert, den Marken verlangen
Aus meiner langjährigen Beobachtung in Produktion und Kundengesprächen hakt es bei kleinen und mittleren taiwanischen Druckereien meist an zwei Stellen: Erstens fehlen Rohdaten. Stromverbrauch, Lösemittel, Abfall- und Recyclingmengen aus dem Druckprozess werden nicht systematisch erfasst. Zweitens sind die Systemgrenzen unscharf. Zwischen gate to gate (Werkstor zu Werkstor) und cradle to gate (Wiege bis Werkstor) liegen oft deutlich andere Zahlen. Sobald der Kunde nachfragt, fällt das Kartenhaus zusammen
Pragmatisch gibt es zwei Wege:
・Der erste Weg beginnt mit EPD (Environmental Product Declaration, Umweltproduktdeklaration): Eine EPD ist ein international anerkanntes Dokument zur Offenlegung produktbezogener Umweltinformationen. Öffentliche Datenbanken wie Plastics Europe oder ecoinvent liefern Hintergrundwerte. Mit einer Drittzertifizierung nach ISO 14025 ist die Aussagekraft hoch genug, um in Audits internationaler Markenlieferketten zu bestehen
・Der zweite Weg ist die Digitalisierung der Produktionsdaten: Stromverbrauch, Farbverbrauch, Lösemittelrückgewinnung und Abfallgewicht müssen bis auf MES-Ebene (Manufacturing Execution System, Fertigungsleitsystem) erfasst werden, damit LCA-Software die Daten automatisch ziehen kann
Die beiden Wege schließen sich nicht aus. Man muss aber mit einem davon anfangen und unterwegs nachschärfen. Stillstand sorgt nur dafür, dass man an der RFP-Hürde dauerhaft scheitert

Wie sollten taiwanische Druckereien jetzt reagieren?
Das Auftragssignal ist eindeutig. Auch die Reihenfolge der Maßnahmen ist wichtig: zuerst das tun, was den Eintritt in die nächste Runde ermöglicht und Geld verdient, danach die langfristigen Investitionen
1. Ist-Zustand erfassen: Die CO₂-Hotspots der bestehenden Produktion identifizieren, Produktlinien bestimmen, für die sich am schnellsten kgCO₂e-Werte berechnen lassen, und dem Kunden zuerst einen belastbaren Datensatz vorlegen
2. Rezyklatquellen sichern: Langfristige Verträge mit Materiallieferanten für PCR-Rezyklate abschließen und Herkunft, Anteil sowie Zertifizierungen direkt in das Angebot schreiben. Das ist eines der Felder, auf die Marken am meisten achten
3. Monomaterial-Strukturen umstellen: Mit einem bestehenden Kundenprojekt einen Pilotversuch für Monomaterial-Flexpackungen starten und dabei Gestaltung sowie Bedruckbarkeit trainieren
4. LCA- und EPD-Prozess aufbauen: Eine Kernproduktlinie auswählen und innerhalb von drei bis sechs Monaten die erste EPD-Zertifizierung erhalten
5. Kommunikationsmaterial für Marken stärken: CO₂-Zahlen, Rezyklatanteile und farbsparendes Design als Infografiken aufbereiten. Künftige ESG-Berichte der Marken werden genau diese Materialien bei euch anfragen
Kurz gesagt: Eine vorzeigbare Datengrundlage ist wichtiger als die Jagd nach einer perfekten Punktzahl
Wie schreiben Marken CO₂-Reduktion in die Beschaffung?
Marken brauchen nicht nur die Kooperation der Druckerei. Sie müssen zuerst intern mit einer Stimme sprechen. Wenn Dekarbonisierungsanforderungen einfach an den Einkauf weitergereicht werden, drückt der Einkauf wieder über den Preis. Dann bewegt sich nichts
Am wirksamsten ist es, wenn ESG und Einkauf die Spezifikation gemeinsam definieren:
・Rezyklatanteil festlegen: Einstieg mit mindestens 30% PCR-Papier oder rPET, danach jährliche Steigerung, jeweils mit Zertifizierung
・Materialstruktur festlegen: Schwer recycelbare PVDC-Beschichtungen, PET/AL/PE-Verbunde und ähnliche Strukturen ausschließen, dazu eine Positivliste akzeptierter Materialien erstellen
・Farbreduktion und einfarbige Flächen vorgeben: Druckfarbentypen (wasserbasiert oder UV, deinkbar), Obergrenzen für bedruckte Fläche, Vermeidung vollflächiger dunkler Motive
・LCA- oder EPD-Drittberichte verlangen: ISO 14025 und ISO 14067 mit Nummern in die Vertragsanlage aufnehmen
Erst wenn diese vier Punkte im Einkaufsauftrag stehen, investieren Druckereien Ressourcen. Stehen sie nur im Nachhaltigkeitsbericht, passiert nichts
Wenn eine Marke intern noch keinen solchen Rahmen aufgebaut hat oder direkt auf eine bestehende Low-Carbon-Verpackungslösung setzen will, ist der mittel- bis hochwertige Full-Custom-Service von MINDS ein sinnvoller Einstieg. Materialauswahl, Struktur und Druck werden dort in einem Durchgang integriert, ohne lange Eigenversuche

Kernaussagen
・Wenn Kreislaufverpackungen vom Pilotprojekt in die Skalierung gehen, werden Marken CO₂-Zahlen direkt in RFPs schreiben
・Die Eintrittskarte für Druckereien besteht aus drei Unterlagen: CO₂-Fußabdruckbericht, Rezyklatanteil und Kunststoffreduktionskonzept
・Ohne LCA-Kompetenz lassen sich keine kgCO₂e-Werte liefern. EPD und digitalisierte Produktionsdaten sind ein pragmatischer Startpunkt
・Monomaterial-Strukturen lassen sich früher umsetzen als perfekte Rezyklatquoten
・Marken müssen Dekarbonisierungsanforderungen aus dem Nachhaltigkeitsbericht in den Einkaufsauftrag holen. Erst dann bewegen sich Druckereien
Weitergedacht
Diese Welle der Kreislaufverpackungen ist keine PR-Aufgabe der ESG-Abteilung. Sie ist eine harte Spezifikation für Einkauf und Compliance. Für taiwanische Druckereien sind in den nächsten 12 Monaten drei Investitionen am wichtigsten, in dieser Reihenfolge: CO₂-Datenerfassung in der Produktion, Kompetenz im Design von Monomaterial-Strukturen und gesicherte Rezyklatquellen, die internationale Marken akzeptieren. Für Marken ist jetzt der richtige Zeitpunkt, Druckbeschaffungsverträge neu zu definieren: Rezyklatanteil, Monomaterial-Struktur und Drittberichte gehören in die Vertragsanlage, danach kann der ESG-Bericht nach außen kommunizieren. Wenn beide Seiten schon in der RFP-Phase dieselbe Sprache sprechen, wird CO₂-Reduktion vom Slogan zum Auftrag. Wer wissen will, wie die eigene Produktlinie zur ersten EPD kommt, kann beim Beratungsteam der Mai Strategy Wissensakademie beginnen. Dort wird der Weg von der Gap-Analyse bis zur Lieferantenbindung durchgängig begleitet
Weiterführende Lektüre
FAQ
- Ist Kreislaufverpackung dasselbe wie CO₂-reduzierte Verpackung?
- Nein. Kreislaufverpackung betont, dass Materialien innerhalb des Lebenszyklus recycelbar und erneuerbar bleiben. CO₂-reduzierte Verpackung konzentriert sich auf sinkende Emissionen. Beides wird oft zusammen umgesetzt, verfolgt aber unterschiedliche Ziele und Bewertungskennzahlen
- Kann eine Druckerei ohne eigenes LCA-Team Aufträge internationaler Marken gewinnen?
- Ja. Für den Einstieg lassen sich über EPD und öffentliche Datenbanken erste kgCO₂e-Werte aufbauen. Innerhalb von drei bis sechs Monaten kann eine ISO 14025-Zertifizierung als Eintrittskarte in die Lieferkette dienen. Langfristig sollten eigene Produktionsdaten ergänzt werden
- Hilft farbsparendes Design wirklich beim Recycling?
- Ja. Druckfarbentyp und bedruckte Fläche beeinflussen die Deinking-Effizienz der Papierfabriken. Vor allem vollflächige dunkle Druckbilder und UV-Farben können die Qualität des Recyclingzellstoffs senken. Genau deshalb nehmen Marken inzwischen Anforderungen zur Farbreduktion in RFPs auf
- Wie legt man einen sinnvollen Rezyklatanteil fest?
- Viele Marken starten mit 30% PCR-Papier oder rPET als Basis und erhöhen den Anteil je nach Materialkosten und Verfügbarkeit jedes Jahr. Zu niedrige Anteile taugen nicht für die ESG-Kommunikation, zu hohe Anteile führen zu Materialengpässen. 30% ist ein üblicher Einstiegspunkt in der Branche
- Was macht Monomaterial-Flexpackungen schwieriger zu bedrucken als Verbundmaterialien?
- Monomaterialien wie PE oder PP stellen höhere Anforderungen an Farbhaftung und Siegelnahtfestigkeit. Ohne Aluminiumschicht sinken außerdem Barrierewirkung gegen Gase und Lichtschutz. Das muss über funktionelle Beschichtungen oder das Verpackungsdesign wieder ausgeglichen werden
Verwandte Artikel
Der wöchentliche Druck-×-KI-Newsletter
Praxiswissen zu Druck und KI, das Designer, Marken und Unternehmen vor dem ersten Schritt gebrauchen können – jede Woche kompakt in einer E-Mail in Ihrem Postfach
MINDS Gratis-Tools
KI-Freistellung, LINE-Sticker-Maker, Rücken- & Ausschieß-Rechner — alles kostenlos, direkt im Browser, ohne Upload.
MINDS Gruppe
Benötigen Sie konkrete Druck- oder Geschenkdienstleistungen?
Vom Wissen zur Umsetzung — das übernehmen die Schwestermarken der MINDS Gruppe: von hochwertigem Druck über Online-Bestellungen bis zu Festtagsgeschenken





