Überblick
Der wesentliche Unterschied zwischen gewöhnlichem Bilderdruckpapier und gussgestrichenem Papier liegt im Aushärtungsverfahren des Papierstrichs sowie in der mikroskopischen Oberflächenglätte. Standard-Bilderdruckpapier wird per Rakel gestrichen und anschließend mit Heißluft getrocknet; dabei behält die Kaolinschicht mikroskopisch kleine Poren. Gussgestrichenes Papier (Cast Coated) hingegen wird im noch nassen Zustand gegen einen hochglanzpolierten, verchromten Glättzylinder gepresst und dort ausgehärtet, was eine fast glasartige Oberfläche erzeugt. Aus der Praxis von MINDS zeigt sich: Bei der Auswahl extrem hoch gestrichener Papiere muss stets abgewogen werden, wie viel Pigment an der Oberfläche verbleibt und wie verarbeitungs- bzw. falzfest das Material im Nachgang ist
Die Strichschicht des Papiers: Eine mikroporöse Struktur aus Kaolin und Bindemitteln, welche die Unebenheiten der Papierfasern ausgleicht, das Wegschlagverhalten der Farbe steuert und die gerichtete Lichtreflexion erhöht

Wie unterscheiden sich ungestrichenes Papier, Bilderdruckpapier und gussgestrichenes Papier mikroskopisch?
Blickt man auf den mikroskopischen Querschnitt des Papiers, entscheidet die Strichmenge direkt über das Reflexionsverhalten des Lichts und die Pigmentdichte nach dem Trocknen der Druckfarbe
・Ungestrichenes Papier (Naturpapier): Keine mineralische Strichschicht, die Papierfasern liegen völlig frei. Die Kapillarwirkung lässt die Farbe tief eindringen und stark ausbluten, was zu diffusen Lichtreflexionen führt – gedruckte Fotos wirken dadurch oft matt und gräulich
・Leicht gestrichenes Papier (LWC): Ein Strichauftrag von etwa 5 bis 10 g pro Seite füllt nur Teile der Faserzwischenräume. Es verbindet eine angenehme, natürliche Haptik mit solider Farbbrillanz und eignet sich ideal für Innenseiten von Magazinen sowie textintensive Publikationen
・Beidseitig gestrichenes Bilderdruckpapier (Coated Paper): Beidseitig mit jeweils 15 bis 20 g Rakelstrich versehen. Die Farbpigmente bleiben an der Oberfläche verankert und härten dort aus. Die spekulare Lichtreflexion ist hoch, wodurch Farbsättigung und Kontrast in ein optimales Gleichgewicht gebracht werden
・Gussgestrichenes Papier (Cast Coated): Wird im Gussstreichverfahren hergestellt, bei dem die feuchte Strichschicht direkt an einem beheizten Glättzylinder getrocknet wird. Die Oberfläche ist extrem glatt mit höchstem Glanzgrad – ideal für edle Faltschachteln und Premium-Etiketten
Warum kommt es bei stark gestrichenem, schwerem Papier beim Falzen zu Strichbruch?
Die Strichschicht ist im Grunde ein anorganischer Mineralfilm aus Kaolin (Clay) und Bindemitteln – extrem hart, aber ohne nennenswerte Dehnungselastizität
Wird Papier mit höherer Grammatur (ab ca. 200 g/m² Bilderdruck oder Gussgestrichen) um 180 Grad gefalzt, entstehen an den äußeren Fasern und der Strichschicht immense Zugspannungen
Da die Zugfestigkeit des Mineralstrichs weit unter der der inneren Holzfasern liegt, bricht die Strichschicht schlagartig spröde auf. Das weiße Rohpapier tritt zutage – es entstehen unschöne weiße Kanten oder Risse
Besonders auffällig ist dies bei vollflächig dunklen Druckmotiven (z. B. Tiefschwarz, Dunkelblau auf Buchumschlägen oder Verpackungen)
Keine Sorge
Das lässt sich durch gezielte mechanische Verarbeitungsprozesse vollständig verhindern
Wie verhindert die Druckproduktion Strichbruch durch vorheriges Rillen?
Der Schlüssel zu einer perfekten Falzkante bei schwerem gestrichenem Papier liegt darin, die punktuelle Spannung an der Biegezone gezielt zu brechen. In der Produktionsabstimmung bei MINDS Druck nutzen wir den Entscheidungsstandard „Drei Prüfstufen für den Druckauftrag bei MINDS (MS, gehobener und individuell angefertigter Akzidenzdruck)“, um die Qualität der Weiterverarbeitung sicherzustellen:
・① Bewertung von Grammatur und Strichstärke: Übersteigt das Flächengewicht 150 g/m² oder kommt gussgestrichenes Papier zum Einsatz, darf das Material niemals direkt auf der Falzmaschine gefalzt werden
・② Vorab Rillen (Creasing): Ein Rillmesser presst eine Vertiefung entlang der Falzlinie ein, wodurch im Fasergefüge der Biegezone eine kontrollierte Mikrodelineation entsteht, die die Spannung vorab abbaut
・③ Ausrichtung parallel zur Laufrichtung (Paper Grain): Die Rilllinie muss möglichst parallel zur Laufrichtung des Papiers verlaufen, damit die Papierfasern unter Biegebelastung nicht brechen
Ganz einfach
Ein einziger zusätzlicher Rillvorgang in der Vorstufe bzw. Weiterverarbeitung löst über 90 % aller Probleme mit gebrochenen Strichschichten
Wie wählt man Bilderdruck- und gussgestrichenes Papier für Etiketten und Verpackungen aus?
Bei der Materialauswahl zählt nicht allein der Stückpreis; man muss von der Endanwendung auf die physikalischen Anforderungen zurückschließen
・Standard-Werbeflyer und Kataloge: Mit beidseitig gestrichenem Bilderdruckpapier von 100 bis 150 g erzielt man hervorragende Farbwiedergabe bei optimalem Preis-Leistungs-Verhältnis
・Premium-Verpackungsetiketten und edle Faltschachteln: Wer maximale visuelle Wirkung und eine spiegelnde Oberfläche sucht, greift zu gussgestrichenem Papier. In Kombination mit Lackierung oder partiellem UV-Lack entsteht ein spürbarer Mehrwert für das Produkt
・Großflächig dunkle Falzprodukte und Umschläge: Wird Bilderdruckpapier ab 200 g gewählt, muss das Rillen unbedingt ins Budget für die Weiterverarbeitung eingeplant werden. Andernfalls ruiniert Strichbruch das gesamte Endprodukt

Das Wichtigste auf einen Blick
・Gussgestrichenes Papier härtet am verchromten Glättzylinder aus; Glanzgrad und Oberflächenruhe liegen weit über denen von rakelgestrichenem Bilderdruckpapier
・Ungestrichenes Papier absorbiert durch seine Kapillarstruktur viel Farbe und lässt Motive matt wirken; Bilderdruckpapier hält die Pigmente an der Oberfläche und bewahrt hohe Farbbrillanz
・Hauptursache für Strichbruch bei schwerem Papier ist die fehlende Dehnungselastizität der anorganischen Kaolinschicht, die bei einem 180-Grad-Falz spröde bricht
・Bei Papiergrammaturen über 150 g/m² muss vor dem Falzen zwingend gerillt (Creasing) werden, um die Faserspannung abzubauen
・Bei großflächig dunklem Druck muss das Rillen stets parallel zur Laufrichtung erfolgen, um weiße Kanten zuverlässig zu verhindern
Weiterführende Überlegungen
Beim Übergang von der traditionellen Druckherstellung zu KI-gestützten und SaaS-basierten digitalen Prozessen ist die Parameter-Standardisierung papierphysikalischer Eigenschaften ein entscheidender Schritt
Wenn E-Commerce- oder Online-Druckportale Grafikdesigner bereits in der Design-Vorschau auf Basis von Strichauftrag und Grammatur automatisch darauf hinweisen, dass ein Rillvorgang hinzugebucht werden sollte, lassen sich Ausschuss und Reklamationen in der Produktion drastisch reduzieren
Für das Team von MINDS ist die Überführung von Farbsaugverhalten, Strichhärte und Verarbeitungsgrenzen in eine berechenbare Regelbibliothek nicht nur eine Hilfe für Kunden bei der Abwägung von Kosten und Haptik – es ist das Fundament, um langjährige Druckexpertise zu digitalisieren und die Effizienz bei der Online-Auftragsabwicklung zu steigern
Weiterführende Literatur
FAQ
- Warum wirken Fotos auf Naturpapier (ungestrichenem Papier) oft matt und dunkel?
- Da Naturpapier keine mineralische Strichschicht besitzt, saugen die Kapillaren der Papierfasern große Mengen der Farbpigmente auf. Dies verstärkt nach dem Trocknen die Lichtstreuung und verhindert eine gesättigte, gerichtete Lichtreflexion
- Welche Unterschiede bestehen bei Preis und Haptik zwischen Bilderdruck- und gussgestrichenem Papier für Etiketten?
- Beidseitig gestrichenes Bilderdruckpapier ist preiswert bei exzellenter Farbwiedergabe und somit die erste Wahl für Wirtschaftlichkeit. Gussgestrichenes Papier wird dagegen an einem verchromten Glättzylinder poliert, besitzt einen extrem hohen Glanzgrad und eignet sich perfekt für hochpreisige Premium-Verpackungen und Luxusetiketten
- Ab welcher Grammatur muss Bilderdruckpapier vor dem Falzen gerillt (Creasing) werden?
- Bei Bilderdruck- oder gussgestrichenem Papier ab einem Flächengewicht von über 150 g/m² empfiehlt sich vor dem Falzen oder Biegen stets ein vorheriges Rillen. Dabei reduziert eine Stahllinie die Spannung der Papierfasern und der Kaolinschicht, um ein Aufplatzen der Kanten zu verhindern
- Was ist der physikalische Unterschied zwischen direktem Falzen und vorherigem Rillen?
- Beim direkten Falzen steht die Strichschicht schwerer Papiere unter enormer Zugspannung und bricht spröde auf. Vorheriges Rillen erzeugt an der Falzlinie eine kontrollierte Mikrodelineation im Fasergefüge und verschafft den Fasern den nötigen Spielraum, um den Papierstrich intakt zu halten
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