Worin unterscheidet sich G7+ vom klassischen G7?
G7+ optimiert vor allem den Algorithmus und das Datenmodell für Neutraltöne. Das verbessert die Graubalance im digitalen Wide-Gamut-Druck, im Textildruck sowie auf stark eigenfarbigen Bedruckstoffen wie Kraftpapier – bei gleichzeitig hoher visueller Übereinstimmung mit bestehenden GRACoL-Dateien
G7+ ist ein Farbkalibrierungsalgorithmus, der den Fokus auf Graubalance und neutrale Druckdichtekurven (NPDC) legt. Er sorgt über verschiedene Drucksysteme und Bedruckstoffe hinweg für eine einheitliche visuelle Anmutung und behebt frühere Tonwertabweichungen abseits des klassischen Offsetdrucks
In meinen mehr als zehn Jahren Farbkoordination zwischen Druckereien und Designern war das häufigste Problem stets dasselbe: Eine Datei sieht im Offsetdruck hervorragend aus, aber sobald sie auf Großformat-, Inkjet- oder Textildruckmaschinen ausgegeben wird, kippen die Farben komplett weg
Der klassische G7-Standard (CGATS/IDEALLIANCE TR015-2022) überwand die Grenzen der traditionellen Steuerung über die CMYK-Tonwertzunahme (TVI) und verankerte die Graubalance stattdessen über neutrale Druckdichtekurven (NPDC). Auf Standard-Offsetpapieren funktioniert das hervorragend. Bei gelbstichigem Kraftpapier, hochgesättigten Inkjet-Tinten oder Textilmedien geriet der bisherige Berechnungsalgorithmus jedoch an seine Grenzen
Der von der PRINTING United Alliance und Idealliance entwickelte G7+-Algorithmus setzt genau hier an und verstärkt die Ansteuerung bei hochkonzentrierten Tinten und unterschiedlichen Substraten. Er führt einen unbegrenzten SCCA-Mechanismus zur Substratkorrektur chromatischer Zielwerte ein. Messgeräte korrigieren getönte Bedruckstoffe somit nicht mehr gewaltsam auf die Werte eines Standard-Weißpapiers, was glattere Farbübergänge in gesättigten Bereichen und präzisere ICC-Profile ermöglicht

Müssen Designer ihre Dateien für die Datenübergabe neu konvertieren oder das Farbprofil ändern?
Designer müssen ihre Dateien weder neu konvertieren noch Farbprofile anpassen: Auf Basis des GRACoL-Farbraums erstellte CMYK-Dateien sind direkt mit G7+-kalibrierten Systemen kompatibel
Wenn ein Upgrade des Farbstandards ansteht, sorgen sich viele Reinzeichner sofort um veränderte Software-Einstellungen. Kein Grund zur Panik
Praxisdaten aus der Produktion belegen: G7+ wurde gezielt so entwickelt, dass das gewohnte visuelle Erscheinungsbild erhalten bleibt. Egal ob die CMYK-Datei auf GRACoL2006, GRACoL2013 oder ISO 12647-2 basiert – wird sie auf einer G7+-kalibrierten Druckmaschine ausgegeben, liegen Grautöne und Farbsättigung extrem nah an den bisherigen Ergebnissen
Der Unterschied zeigt sich unter extremen Druckbedingungen. Auf ungestrichenem Papier oder schwerem Karton neigten Tiefen früher zum Zulaufen. Nach Korrektur des Neutralton-Algorithmus durch G7+ lassen sich dunkle Details spürbar feiner abstufen
Worauf Designer bei der Datenübergabe wirklich achten müssen, ist die Abstimmung der Abnahmekriterien mit der Druckerei. Wer langwierige Korrekturschleifen und Andruckkontrollen vor Ort vermeiden möchte, holt sich am besten Unterstützung beim Beraterteam der Mai Strategy Wissensakademie, um verbindliche Vorgaben von Softproofs am Bildschirm bis zu messbaren Produktionsdaten aufzubauen
Drei Prüfschritte bei der Druckfreigabe zur Vermeidung von Farbabweichungen beim Nachdruck
Um Farbabweichungen bei Nachdrucken nachhaltig zu verhindern, müssen Designer von den Dateieinstellungen über den Digitalproof bis hin zur Abnahme vor Ort datengestützte Prüfprozesse etablieren
Wirkt jeder Nachdruck wie das Öffnen einer Wundertüte? Die Datei wurde nicht verändert, aber die Farben des zweiten Drucklaufs weichen vom ersten ab. Das ist meist kein Pech, sondern das Ergebnis kumulierter Abweichungen bei Papierchargen, Farbführung und Maschinenzustand
Um eine durchgängige Markenidentität zu sichern, sollte man sich nicht allein auf das geschulte Auge des Druckerpersonals verlassen. Die drei Prüfschritte von Mai Strategy bieten hierfür eine praxiserprobte Absicherung:
・① Dateieinstellungen: Bei der Reinzeichnung konsequent den CMYK-Farbraum nutzen und bevorzugt GRACoL2013 oder FOGRA51 definieren. Einbinden von RGB-Bildelementen in Druckdateien strikt vermeiden
・② Proof-Validierung: Einen Digitalproof mit G7-Kontrollstreifen von der Druckerei anfordern – inklusive Messprotokoll eines Spektralfotometers, um sicherzustellen, dass die Delta-E-Farbabstände innerhalb der Toleranzgrenzen liegen
・③ Andruckvergleich: Die Musterabnahme an der Druckmaschine zwingend unter einer D50-Normlichtkabine durchführen, um Farbverfälschungen durch gelbliches Umgebungslicht zu vermeiden
Dieser Ablauf ist denkbar einfach: Bei konsequenter Umsetzung lassen sich mehr als 80 Prozent aller Farbreklamationen bereits vor dem Druck abfangen

Sind die Upgrade-Kosten auf G7+ für kleine und mittlere Druckereien hoch?
Das Upgrade auf G7+ betrifft in Druckereien vor allem Softwareupdates zur Farbkalibrierung und Algorithmen für Kontrollstreifen. Eine Neuanschaffung von Druckmaschinen oder Spektralfotometern ist nicht erforderlich
Für kleine und mittlere Druckereien stehen bei der Einführung eines neuen Standards stets Kosten und die Übergangsphase in der Produktion im Mittelpunkt
Der Vorteil von G7+ liegt in seiner Koexistenz mit dem klassischen G7-Standard. Idealliance behält das bestehende G7-Zertifizierungssystem bei, sodass Druckereien nicht schlagartig sämtliche Linien umstellen müssen. Die Hauptkosten beim Upgrade beschränken sich auf Softwarelizenzen, Personalschulungen sowie den Zeitaufwand für die Erstellung neuer ICC-Profile
Besonders für Betriebe im Großformat-Digitaldruck, Inkjet-Textildruck oder Verpackungsdruck bietet G7+ deutliche Vorteile bei der Tonwertkorrektur auf getönten Substraten und bei hoher Farbbelegung. Aufträge, die früher auf manuelles Kurven-Feintuning erfahrener Drucker angewiesen waren, lassen Farbabweichungen nun per Algorithmus rasch minimieren
Wer tiefere Einblicke in die Automatisierung von Druckprozessen und Pfade für Upgrades im Farbmanagement sucht, kann den Newsletter der Mai Strategy Wissensakademie für praxisnahe Fallstudien abonnieren

Das Wichtigste im Überblick
・Der G7+-Algorithmus verbessert Graubalance und Schattendetails bei Wide-Gamut-, Textil- und Kraftpapier-Druckmedien
・Designer müssen GRACoL-basierte Dateien nicht neu konvertieren; G7+-Systeme sichern eine hohe visuelle Konsistenz
・Drei Prüfschritte – klare Dateivorgaben, datengestützte Proofs und D50-Abnahme – verhindern Farbabweichungen bei Nachdrucken
・Druckereien können G7 und G7+ parallel betreiben; ein Software-Update genügt für den neuen Standard
Weiterführende Überlegungen
Für Designer wie auch für Druckbetriebe ist G7+ weit mehr als ein bloßes Algorithmen-Update. Es zeigt, dass sich die Grenzen des Farbmanagements zunehmend auf digitale und medienübergreifende Prozesse ausweiten. Spezialpapiere und Großformatdrucke, deren Abstimmung früher vom Gefühl des Druckers abhing, stützen sich nun auf eine solide Datenbasis. Im nächsten Schritt sollten Designteams Farbwerte in ihre Übergabe-Checklisten aufnehmen, während Druckereien G7+ zunächst in digitalen Produktionslinien testen können – damit die Kommunikation in der Lieferkette den Schritt von der subjektiven Sichtprüfung hin zu objektiven Messwerten vollzieht
Weiterführende Literatur
FAQ
- Bleiben die klassischen G7-Zertifizierungen und -Standards nach dem Start von G7+ weiterhin gültig?
- Der klassische G7-Standard (CGATS/IDEALLIANCE TR015-2022) und seine Zertifizierungen bleiben uneingeschränkt gültig. G7+ dient als parallele Erweiterung, sodass Druckereien je nach Substrat- und Maschinenanforderungen den passenden Standard wählen können
- Warum kommt es beim Druck auf Kraftpapier oder Wellpappe besonders leicht zu Farbabweichungen?
- Stark eigenfarbige Bedruckstoffe stören die Bestimmung der Graubalance. Der in G7+ integrierte SCCA-Mechanismus passt die chromatischen Zielwerte automatisch an den Farbton des Substrats an und verhindert so Sättigungsverfälschungen durch starre Korrekturen
- Wie können Designer überprüfen, ob ein von der Druckerei gelieferter Digitalproof dem G7+-Standard entspricht?
- Designer können prüfen, ob der Proof am Rand einen G7/G7+-Kontrollstreifen enthält, und ein Messprotokoll mit Lab-Graustufenwerten sowie Delta-E-Toleranzen von einem Spektralfotometer anfordern
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