Überblick
Angesichts immer strengerer Compliance-Anforderungen an Verpackungen wollen Marken nicht nur ein Angebot. Sie wollen eine Lösung, die Risiken schon an der Quelle vermeidet
Wir vom Beratungsteam der Mai Strategy Wissensakademie sehen bei der Transformation von Druckereien immer wieder dasselbe: Materialtests und Design-Prototyping müssen ganz nach vorne rücken. Nur so kommt man aus dem roten Ozean des Preiswettbewerbs heraus
Dass der europäische Forst- und Kartonriese Metsä Board vor Kurzem ein Designzentrum in Mailand eröffnet hat, bestätigt genau diese Verschiebung in der Branche

Warum steigt ein Papierkonzern selbst in die vorgelagerte Gestaltung ein?
Metsä Board hat am 2. Juli in Mailand ein neues Designstudio eröffnet. Das ist weit mehr als ein hübscher Showroom
Aus meiner langjährigen Beobachtung auf Kundenseite wird derzeit vor allem über zwei Themen deutlich intensiver gesprochen: die EU-PPWR, also die Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle, und die verschiedenen EPR-Gesetze zur erweiterten Herstellerverantwortung in den USA
Bei Lebensmittel- und Kosmetikmarken geht es bei Verpackungen längst nicht mehr nur um Schutz und Logistik
Die Kunden stehen zwischen plastikfreien Lösungen, vorgeschriebenen Anteilen von Post-Consumer-Rezyklat (PCR) und Beschränkungen für Chemikalien wie PFAS
Metsä hat das erkannt und verknüpft Design, Materialwissenschaft und Datenanalyse direkt miteinander. Mit AI-gestütztem Design greifen sie früher in die Entscheidungen der Marken ein
Die klassische Staffelübergabe funktioniert nicht mehr. Wie läuft parallele Entwicklung?
In den letzten Jahren habe ich in der Produktion zu viele böse Überraschungen gesehen
Das Design sieht großartig aus, aber erst in der Druckvorstufe fällt auf, dass der Karton nicht stabil genug ist oder die lokalen Recycling- und Umweltvorgaben gar nicht erfüllt. Dann muss das ganze Projekt zurück auf Anfang
Das Mailänder Modell von Metsä bricht mit diesem linearen Übergabedenken und setzt auf paralleles Arbeiten
Während die Konzeptidee entsteht, laufen Materialprüfung und Leistungssimulation bereits mit. Ungeeignete physikalische Spezifikationen werden dadurch früh aussortiert
Gerade bei Pharma- oder Lebensmittelverpackungen, wo Zeit bares Geld ist, spart das nicht nur ein paar Wochen Entwicklungszeit. Es verhindert schnell Formkosten und Nacharbeiten im sechsstelligen Bereich
Vorgelagertes Design-Prototyping: Materialtests, Compliance-Prüfungen und digitale Simulation werden schon in der frühen Konzeptphase eingebunden. Schritte wie Mustererstellung und Freigabemuster, die früher erst spät im Prozess kamen, werden nach vorne gezogen. So lassen sich Risiken in der Serienproduktion ausschließen und Entwicklungszyklen stark verkürzen
Wie sollten kleine und mittlere Druckereien in Taiwan darauf reagieren?
Taiwanische Betriebe haben nicht die Größe internationaler Konzerne, aber sie besitzen eine extrem flexible Lieferkette
Statt erst nach Übergabe der Druckdaten durch den Designer Probleme zu entdecken, sollte die technische Absicherung aktiv nach vorne verlagert werden
・Ein kleines Prototyping-Zentrum aufbauen: Dafür braucht es kein großes Team. Ein Projektansprechpartner mit Verständnis für Papierverhalten und Verpackungsstruktur, kombiniert mit digitalen Schneidplottern, reicht oft schon für schnelle physische Verifizierungen
・Die drei Prüfschritte vor dem Druck bei MINDS (MS, hochwertige vollkundenspezifische Geschäftsdrucksachen) einführen: Vor dem Angebot werden mit dem Kunden strukturelle Machbarkeit, Material-Compliance und Produktionsausbeute geprüft. So wechselt die Druckerei direkt von der Rolle des Lohnfertigers in die Rolle des technischen Beraters
・Eng mit unabhängigen Designern zusammenarbeiten: Viele Grafikdesigner kennen die Grenzen der Weiterverarbeitung nicht genau. Wenn eine Druckerei früh Materialdatenbanken und Prototyping-Unterstützung anbietet, bindet sie diese vorgelagerten Kunden sehr viel fester

Kernaussagen
・Nachhaltigkeitsvorgaben und Compliance-Druck zwingen die Verpackungslieferkette, sich von der reinen Endfertigung in Richtung vorgelagerter Beratung zu bewegen
・Parallele Entwicklung mit Materialwissenschaft und datengestützter Simulation kann das Risiko teurer Nacharbeiten bei Verpackungsprojekten deutlich senken
・Kleine und mittlere Betriebe können sich durch kleine Prototyping-Services oder früheres Eingreifen in die Designphase wirksam aus der reinen Lohnfertigung lösen
Weitergedacht
Wenn ich mir die Projekte der letzten Zeit ansehe, laufen genau die Druckereien gut, die für Kunden die Frage lösen: „Ich weiß nicht, ob dieses Papier durch die Umweltvorgaben kommt.“
Wer die Erfahrung aus der Produktion in vorgelagerten Beratungswert verwandeln will, sollte mit dem Beratungsteam der Mai Strategy Wissensakademie sprechen. Wir helfen dabei, interne Ressourcen zu ordnen und einen standardisierten vorgelagerten Prototyping-Prozess aufzubauen
Wenn es aktuell nur um hochwertige, vollkundenspezifische Geschäftsdrucksachen geht, sind die physische Technik und Materialbibliothek von MINDS ein sehr guter erster Anlaufpunkt
Weiterführende Lektüre
FAQ
- Was ist ein paralleles Entwicklungsmodell?
- Es bricht den alten linearen Ablauf auf, bei dem erst designt, dann Material gesucht und danach getestet wird. Stattdessen laufen Designidee, Material-Compliance und physikalische Simulation gleichzeitig
- Was tun, wenn es im Betrieb keine AI-Simulationsausrüstung gibt?
- Der entscheidende Punkt ist der frühere Einstieg. Mit vorhandenen digitalen Schneidplottern und Papiermustern lässt sich die Prototyping-Erfahrung erfahrener Fachkräfte in Checklisten übersetzen. Auch so kann man für Kunden Risiken vorab ausräumen
- Was ist der direkte Anreiz für Markenkunden?
- Neue Verpackungen erfüllen vom ersten Tag der Markteinführung an die neuesten PCR- oder EPR-Nachhaltigkeitsvorgaben. So vermeidet die Marke, dass Produkte nach dem Launch wegen Verpackungsverstößen wieder vom Markt genommen werden müssen
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