Überblick
Die Vermeidung von Passerabweichungen beim partiellen UV-Lack basiert hauptsächlich auf korrekter Prepress-Erstellung und präziser Registersteuerung in der Produktion. Es empfiehlt sich, den von MINDS genutzten dreistufigen Prüfframework zu nutzen: ① Eigenständige Vektorebene in 100 % Reinschwarz (K100), ② Lackflächen zurücknehmen:
・0,5 mm und Falz- sowie Schneidekanten aussparen
・mindestens 0,15 mm, ③ Freigabe der Toleranzen bezüglich Papierdehnung und Folienrutschen beim Proofing
Partieller UV-Lack (Spot UV) bezeichnet ein Veredelungsverfahren, bei dem Lack auf bestimmte Zonen aufgetragen und per UV-Licht gehärtet wird. Das erzeugt einen starken visuellen und haptischen Glanzkontrast auf matten Oberflächen oder Papier

Warum kommt es bei partiellem UV-Lack schnell zu Passerabweichungen?
Blickt man auf aktuelle Kundenprojekte, wird häufig über versetzten UV-Lack oder fehlende Wirkung geklagt
Viele vermuten Fehler bei Druck- oder Lackiermaschine, doch die Ursache liegt oft in physikalischen Grenzen
Siebdruck-UV-Lackierung und Vierfarbdruck sind zwei getrennte Arbeitsgänge. Der Bogen durchläuft den Druck, die Kaschierung und das Lackieren mit mehrmaligem Walzenzug und thermischer Härtung
Am Bildschirm passt bei 800 % Zoom alles perfekt. In der Realität liegt die Papierdehnung jedoch bei:
・0,2 mm bis
・0,5 mm – ein normaler Wert
Keine Sorge
Erst wer die physikalische Trennung beider Prozesse versteht, plant bereits im Entwurf passende Toleranzen ein
Vier Passer-Fallen in der Druckproduktion
Aus langjähriger Praxiserfahrung an den Maschinen und in der Kundenberatung lassen sich vier Hauptgründe ausmachen:
・Papierdehnung: Ändert sich die relative Luftfeuchtigkeit um 20 %, kann sich der Druckbogen um bis zu 0,3 mm ausdehnen. Der spätere Lackiergang passt dann nicht mehr exakt zum Farbdruck
・Folienrutschen: Wird vor dem Lackieren eine Mattfolie kaschiert, sinkt die Reibung. Das führt an den Greifern zu Verschieben von ca. 0,5 mm
・Zwei getrennte Arbeitsgänge: Offset- und Siebdruck laufen auf unterschiedlichen Maschinen. Die mechanische Passertoleranz liegt üblicherweise bei ±0,3 mm
・Feine Schrift und Linien nahe am Rand: Details unter
・0,3 mm Stärke nahe an Schneidkanten (unter
・0,15 mm Abstand) werden durch den Schneiddruck optisch stark verzerrt
Wie verhindert man Abweichungen bereits in der Datei?
Um Passerfehler zu vermeiden, müssen die Druckdaten von Anfang an korrekt angelegt sein
Ganz einfach
Das MINDS Knowledge Academy Beraterteam prüft Kundendaten konsequent nach folgenden Schritten:
・Separate Lackebene anlegen: Lackelemente gehören nicht in die Druckebene. Sie müssen auf einer eigenen Vektorebene namens K100 in 100 % Reinschwarz angelegt werden
・Lackflächen zurücknehmen (Trapping): Bei hohen Genauigkeitsanforderungen werden Lackkanten leicht eingezogen:
・0,3 mm bis
・0,5 mm, um ein Überstehen über das Druckbild zu verhindern
・Falz- und Schneidkanten aussparen: Lackierte Bereiche sollten mindestens 2 mm Abstand zu Nutlinien und Schnittkanten halten, damit der harte Lack beim Falzen nicht abplatzt
・Keine zu feinen Linien und Schriften: Die Strichstärke sollte mindestens 0,3 mm betragen. Dünnere Elemente reißen beim Auftragen ab oder wirken ungenau
Standards für Proofing und Kundenkommunikation
Die letzte Absicherung gegen Abweichungen ist ein klar definierter Abnahmestandard
Beim Proofing reicht die Bildschirmansicht nicht aus; ein physisches Muster ist zur Qualitätsprüfung unerlässlich
Partieller UV-Lack auf mattem Grund erzeugt maximale Kontraste. Dem Kunden müssen dabei die Passertoleranzen erklärt werden
Beim Siebdruck-Lack liegt die Standardtoleranz zwischen ±
・0,3 mm und ±
・0,5 mm. Erst bei größeren Abweichungen liegt ein Produktionsfehler vor
Beim Prüfen des Musters stehen drei Kriterien im Fokus:
・Glanz und Kontrast: Prüfen, ob die Schichtdicke den gewünschten Effekt erzielt
・Haptik: Oberflächenglätte und Reliefwirkung der Lackschicht testen
・Passertoleranz: Kanten von Vierfarbdruck und UV-Lack vergleichen und prüfen, ob Abweichungen im handelsüblichen Rahmen liegen

Das Wichtigste auf einen Blick
・Partieller UV-Lack und Farbdruck sind zwei getrennte Arbeitsgänge mit einer physikalischen Passertoleranz von ±0,3 mm oder mehr
・In den Prepress-Daten muss eine eigene K100-Vektorebene angelegt werden. Effekte dürfen nicht in den Farbdruckdaten liegen
・Lackgrafiken sollten leicht zurückgenommen werden:
・0,3 mm bis
・0,5 mm, bei mindestens 2 mm Abstand zu Schneid- und Falzkanten
・Dunkle Mattfolienkaschierung bietet mit UV-Lack den stärksten Kontrast. Haptik und Toleranzen sollten vorab am Muster geprüft werden
Weiterführende Überlegungen
Für Druckereien und Designer löst die bloße Schuldzuweisung an die Maschinenpräzision keine Probleme
Digitaler UV-Lack und klassischer Siebdruck-UV-Lack unterscheiden sich physikalisch. Automatische Prepress-Prüfsoftware reduziert menschliche Fehler bei der Dateikontrolle deutlich
Künftige KI-Prüftools, die zu dünne Linien und Abstände automatisch erkennen, werden die Abnahme weiter vereinfachen
Designer und Druckereien sollten eine gemeinsame Sprache für Toleranzen entwickeln und die Qualitätskontrolle direkt in die Gestaltungsphase verlagern
Weiterführende Links
FAQ
- Warum ist partieller UV-Lack im Druck versetzt, obwohl am Monitor alles exakt ausgerichtet war?
- Druck und Lackierung erfolgen auf zwei getrennten Maschinen. Papier dehnt sich durch Feuchtigkeit und Zugkraft im Durchlauf um 0,2 mm bis 0,5 mm aus. Die 800-%-Vergrößerung am Bildschirm spiegelt diese mechanischen Toleranzen der Produktion nicht wider
- Wie fein dürfen Linien bei partiellem UV-Lack mindestens sein?
- Empfohlen werden Linien- und Strichstärken von mindestens 0,3 mm. Dünnere Striche neigen beim Lackauftrag zum Abreißen und lassen kleine Passerabweichungen optisch stark hervortreten
- Wie stark sollte der Lackkontureinzug (Trapping) eingestellt werden?
- Empfohlen wird ein Einzug der Vektorkonturen um 0,3 mm bis 0,5 mm nach innen. So bleibt der Lack selbst bei leichten Bogenverschiebungen innerhalb der Druckfläche
- Welche Folgen hat es, wenn partieller UV-Lack zu nah an Schneid- oder Falzkanten liegt?
- Liegt der Abstand unter 2 mm, kann der hohe Druck des Schneidmessers oder das Biegen des Papiers dazu führen, dass der ausgehärtete Lack abplatzt oder ausfranst
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