Warum schmerzt der Personalmangel in der Weiterverarbeitung mehr als in der Vorstufe?
In der Weiterverarbeitung brennt es in den Druckereien am stärksten. Rückstichheftung, Schneiden, Verpacken, Palettieren – das sind wiederkehrende Aufgaben ohne extrem hohe Hürden, aber sie kosten Kraft, Konzentration und Ausdauer. Wer heute die Weiterverarbeitung von Druckereien im Zentrum und Süden Taiwans besucht, hört selten „Zu wenig Aufträge“, sondern: „Kein Personal zu finden, die Nachtschicht steht still.“
Genau deshalb ist das Signal der Kooperation zwischen Koenig & Bauer (deutscher Traditionshersteller mit einem Portfolio von Zeitungsrotationen bis zu Digitaldrucksystemen) und RobCo (Spezialist für modulare Roboter) so bemerkenswert. Beide Partner bringen Roboter in die Weiterverarbeitung – genau dort hin, wo beim Schneiden, Stapeln und Verpacken seit jeher Manpower benötigt wird. Die Analyse der Branchengrößen ist eindeutig: Der Engpass liegt im Postpress, und dort ist die Rendite für Investitionen am höchsten
Für kleine und mittlere Druckereien in Taiwan trifft diese Diagnose exakt zu. Das Hauptproblem vieler Betriebe: Vorne ist alles weitgehend automatisiert, hinten hängt alles am Fingerspitzengefühl der Fachkräfte. Steigt das Auftragsvolumen, staut sich alles auf der letzten Meile, und die Liefertreue bricht ein

Wie funktioniert der Robotereinsatz in der Weiterverarbeitung?
Statt von „Robotern, die Menschen ersetzen“ zu sprechen, trifft es die Beschreibung besser: Roboter übernehmen hochrepetitive Aufgaben mit wenig Varianz. International zeichnen sich derzeit zwei Wege ab:
・Die herstellergebundene Gesamtlösung: Roboter werden direkt an bestehende Sammelhefter oder Schneideanlagen angebunden und als Komplettpaket vom Maschinenhersteller geliefert. Vorteil: Hohe Kompatibilität und ein Ansprechpartner für den Service. Nachteil: Enorme Austauschkosten, was für Taiwans KMU-Druckereien mit einigen tausend Exemplaren Monatsleistung unpraktisch ist
・Der Weg modularer kollaborativer Roboter: Unabhängige Robotereinheiten von Anbietern wie RobCo lassen sich flexibel neben bestehende Produktionslinien stellen, ohne dass Maschinen aufwendig umgebaut werden müssen. Das bietet hohe Flexibilität und niedrige Einstiegshürden
Für die meisten Druckereien in Taiwan ist der zweite Weg realistischer. Man startet an einer einzelnen Station mit hoher Wiederholungsrate, etwa beim Verpacken oder Palettieren. Läuft dieser Prozess rund, weitet man das System auf Schneiden oder Rückstichheftung aus. Kollaborative Roboter (Collaborative Robot, cobot, die für das Arbeiten im selben Raum mit Menschen ohne Schutzgitter ausgelegt sind) eignen sich besonders für KMU: Sie brauchen wenig Platz und unterliegen vergleichsweise einfachen Sicherheitsauflagen
Entscheidend ist: Automatisierung in der Weiterverarbeitung bedeutet nicht, die gesamte Linie abzureißen. Man muss zuerst den Posten identifizieren, der die meiste Arbeitszeit blockiert
Wie sollten KMU in Taiwan die Aufrüstung staffeln?
Statt Datenblätter zu studieren, lohnt sich der Blick auf die tatsächlichen Engpässe im eigenen Betrieb. Drei Fragen helfen bei der Priorisierung:
1. Wo lässt sich die Nachtschicht mangels Personal nicht besetzen und muss durch Überstunden ausgeglichen werden? Dort liegt der größte Schmerzpunkt
2. Wie hoch ist die Varianz der Handgriffe an dieser Station? Bei einfachen Bewegungen (Verpacken, Palettieren) übernehmen Roboter sofort. Bei hoher Varianz (Sonderfaltschachteln, Spezialbindungen) sollte man erst beobachten
3. Lässt sich der Ausstoß dieser Station quantifizieren? Das größte Risiko bei der Automatisierung ist „Qualitätskontrolle nach Augenmaß“. Erst müssen Prüfkriterien digitalisiert werden, bevor Roboter zum Thema werden
Stimmt die Reihenfolge, amortisiert sich die Investition schnell. Viele Druckereibesitzer denken bei „Automatisierung“ sofort an die Anschaffung kompletter Neuanlagen. Der erste Schritt ist jedoch die Analyse der Arbeitszeitverteilung in der Weiterverarbeitung, um den zeit- und personalintensivsten Posten zu automatisieren, statt direkt die Hauptmaschine zu ersetzen

Wo liegen die Schnittstellen zur Vorstufe und zum Digitaldruck?
Der Digitaldruck (digital printing, maschineller Druck ohne Druckformerstellung für variable Daten) setzt sich immer weiter durch. Das bedeutet mehr Kleinauflagen, individuelle Kundenaufträge und variable Daten. Diese Drucksachen verlangen in der Weiterverarbeitung jedoch mehr Flexibilität: Jedes Exemplar unterscheidet sich in Inhalt, Bindung oder Empfänger
Hier liegt der eigentliche Wert der Weiterverarbeitungsautomatisierung: Sie spart nicht nur Arbeitskraft, sondern macht das Prinzip „Jedes Stück ein Unikat“ überhaupt erst wirtschaftlich machbar. Bleibt das Postpress manuell, nützt der modernste Digitaldruck nichts – der Prozess blockiert auf der letzten Meile
Es gibt drei entscheidende Schnittstellen:
・Datenanbindung: Kann das JDF (Job Definition Format, der Branchenstandard für Auftragsbeschreibungen) die Auftragsdaten direkt an den Roboter in der Weiterverarbeitung übergeben? Das ist das Fundament
・Rüstflexibilität: Kann der Roboter schnell umrüsten und unterschiedliche Formate sowie Bindungen verarbeiten? Das entscheidet darüber, wie viele Arten von Kleinauflagen angenommen werden können
・Qualitätsrückmeldung: Werden Prüfergebnisse aus dem Postpress an die Vorstufe rückgemeldet, um Echtzeit-Anpassungen zu ermöglichen? Das bestimmt Ausbeute und Makulaturkosten
Ohne diese drei Punkte bleibt jeder gekaufte Roboter ein Einzelkämpfer. Werden sie richtig umgesetzt, schlägt sich die Automatisierung der Weiterverarbeitung direkt in der Auftragsfähigkeit und der Marge nieder
Wie anfangen? Drei pragmatische Schritte für KMU-Druckereien
Bevor man Roboteranbieter nach Modellnummern fragt, sollten diese drei Aufgaben erledigt werden:
・Arbeitszeiten im Postpress erfassen: Eine Woche lang die Arbeitszeitverteilung an allen Stationen protokollieren, um den größten Engpass zu ermitteln
・Amortisation der Einzelstation berechnen: Monatsgehälter, Überstunden und entgangene Aufträge durch Personalmangel aufsummieren. Das ergibt das angemessene Budget für die Roboterinvestition
・Integrationsfähige Module suchen: Gezielt nach modularen Lösungen suchen, die mit bestehenden Maschinen koexistieren können, ohne dass Umbauten nötig sind. Erst einmal ein halbes Jahr testen
Nach diesen drei Schritten zeigt sich oft: Das Budget ist niedriger als gedacht, und die Amortisationszeit ist kürzer als beim Kauf einer neuen Druckmaschine

Das Wichtigste auf einen Blick
Die Weiterverarbeitung ist im Zeitalter des Personalmangels der eigentliche Engpass. Die Reihenfolge der Modernisierung zählt mehr als das Tempo
Roboter müssen nicht sofort überall stehen; priorisiert wird die Station mit den meisten Zeitverlusten und der geringsten Varianz
Damit der Digitaldruck seine Stärken ausspielen kann, ist eine automatisierte Weiterverarbeitung zwingende Voraussetzung
Die Bewertung der Weiterverarbeitungsautomatisierung muss sich an Arbeitsstunden und Auftragsverlusten orientieren, nicht an Datenblättern
Modulare Cobots bieten für Taiwans KMU-Druckereien derzeit den pragmatischsten Einstieg
Weiterführende Gedanken
Der Impuls aus dieser Automatisierungswelle ist für Taiwans Druckindustrie eindeutig: Internationale Konzerne sichern sich bereits die Deutungshoheit über die Postpress-Integration. KMU müssen nicht das Gesamtsystem kaufen, aber sie müssen jetzt ihre Arbeitsabläufe und Engpässe analysieren. Für Gestalter bedeutet das: Schon beim Druckauftrag lohnt es sich, die Komplexität der Weiterverarbeitung mitzudenken und Zeitpläne frühzeitig abzustimmen. Für den Einkauf gilt: Der Automatisierungsgrad im Postpress wird zu einem entscheidenden Kriterium bei der Lieferantenauswahl in Zeiten des Fachkräftemangels. MINDS verfolgt diese Schnittstellen in der Praxis der hochwertigen, individuellen Akzidenzfertigung kontinuierlich. Sprechen Sie mit dem Mai Strategy Wissensakademie Beraterteam über den Modernisierungspfad Ihrer Druckerei
Weiterführende Literatur
・Welle der Automatisierung in der Druckweiterverarbeitung: Was die Kooperation von Koenig & Bauer und RobCo für Druckereien in Taiwan bedeutet
FAQ
- Lohnt sich die Automatisierung der Weiterverarbeitung für KMU-Druckereien in Taiwan wirklich?
- Ob es sich lohnt, hängt von der korrekten Analyse der Engpassstation ab. Fällt dort die Nachtschicht aus oder gehen Aufträge wegen Personalmangels verloren, ist die Amortisationszeit oft kürzer als bei einer neuen Druckmaschine. Entscheidend ist, zuerst die Arbeitszeitverluste der einzelnen Station zu berechnen und darauf aufbauend das Budget festzulegen
- Welche Arbeitsplätze im Postpress eignen sich am besten für den Einstieg?
- Stationen mit geringer Varianz und hoher Wiederholungsrate haben Vorrang – wie Verpacken, Palettieren oder einfaches Schneiden. Bei komplexen Sonderfaltschachteln oder Spezialbindungen sollte man abwarten, bis Technik und Kosten ausgereifter sind
- Was ist der Unterschied zwischen Cobots und herkömmlichen Industrierobotern?
- Kollaborative Roboter (Cobots) sind so konstruiert, dass sie ohne Schutzgitter im selben Raum mit Menschen arbeiten können. Das eignet sich ideal für KMU mit begrenzter Fläche. Herkömmliche Industrieroboter sind zwar schneller, benötigen aber Schutzzäune und verursachen höhere Integrationskosten
- Warum benötigt der Digitaldruck eine automatisierte Weiterverarbeitung?
- Die Stärke des Digitaldrucks liegt in Kleinauflagen, Personalisierung und variablen Daten – jedes Exemplar unterscheidet sich. Bleibt die Weiterverarbeitung manuell, staut sich dieser Vorteil auf der letzten Meile. Erst die Automatisierung macht individuelle Ausführungen skalierbar
- Sollten KMU in Taiwan ein Komplettsystem kaufen oder modular aufrüsten?
- Ein modulares Upgrade ist realistischer. Man beginnt an einer einzelnen Station mit hoher Wiederholungsrate und erweitert Schritt für Schritt nach erfolgreichem Testlauf. Das verhindert übermäßige Investitionsrisiken. Komplettlösungen sind eher für Großdruckereien mit hohem Monatsvolumen und stabilen Aufträgen geeignet
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