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Carbon Offsets im Rückzug, Carbon Removal im Aufwind: Wie der Druckeinkauf Schritt hält

Das ESG-Reporting von Unternehmen wird strenger – der einfache Kauf von Carbon Offsets verliert spürbar an Rückhalt. Meine jüngsten Kundenprojekte zeigen: Marken formulieren neue Anforderungen an Carbon Claims bei Druckerzeugnissen und verändern damit die Formate von Ausschreibungen. Mit über zehn Jahren Erfahrung in Produktion und Einkauf zeige ich dir hier den Kern dieser neuen Regeln und liefere eine konkrete Checkliste für deine Lieferantenbewertung

麥策知識學院 | Academy Founder Hung Tsung-Yuan

Carbon Offsets im Rückzug, Carbon Removal im Aufwind: Wie der Druckeinkauf Schritt hält
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Warum der Kauf klassischer CO₂-Kompensation plötzlich verblasst

Der deutlichste Trend des letzten Jahres: ESG-Berichte von Marken wandeln sich vom Statement „Wir haben kompensiert“ hin zu „Wie viel CO₂ haben wir tatsächlich entnommen?“. Der Unterschied liegt auf der Hand: CO₂-Vermeidung (Carbon Avoidance / Offset) bezahlt Projekte, die verhindern, dass Emissionen überhaupt erst entstehen – etwa durch Aufforstung oder erneuerbare Energien. Carbon Removal hingegen entzieht der Atmosphäre CO₂ aktiv und speichert es dauerhaft, etwa durch Pflanzenkohle (Biochar), CO₂-Abscheidung und -Speicherung (CCS) oder Ozeanalkalisierung

Integritätsstandards auf dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt (wie die Core Carbon Principles des IC-VCM) unterscheiden seit 2023 klar zwischen Avoidance Credits und Removal Credits. Letztere verlangen deutlich strengere Audits, eine nachgewiesene Dauerhaftigkeit und präzisere Messmethoden. Für Marken bedeutet das: Der reine Hinweis auf Offsets verliert in ESG-Berichten rasch an Glaubwürdigkeit. Berichte von WhatTheyThink unterstreichen diesen Wandel – Unternehmen schreiben das Regelbuch für den Einkauf von Carbon Credits derzeit komplett neu

Für den Druckeinkauf hat das direkte Konsequenzen: War früher ein Zertifikat über die „klimaneutrale Druckproduktion“ ausreichend – oft gestützt auf Aufforstungsprojekte –, werden Finanzabteilungen und Chief Sustainability Officer in den kommenden Jahren genau nachbohren, auf welcher Art von Gutschrift dieses Zertifikat beruht

Warum der Kauf klassischer CO₂-Kompensation plötzlich verblasst|Carbon Offsets im Rückzug, Carbon Removal im Aufwind: Wie der Druckeinkauf Schritt hält Abschnittsbild

Carbon Claims bei Drucksachen: Wo liegt der Unterschied zwischen Vermeidung und Entnahme?

Die meisten Klimaneutralitätsversprechen in der Druckbranche basieren derzeit darauf, dass Papierfabriken oder Druckereien Avoidance Credits erwerben, um ihre bilanzierten Emissionen über Scope 1, Scope 2 und Scope 3 hinweg auszugleichen (die drei vom Greenhouse Gas Protocol definierten Emissionsbereiche:

・Kategorie 1,

・Kategorie 2 und 3). Das ist in der Praxis gängig und im Rahmen der ISO 14068-1 (dem internationalen Standard für Klimaneutralität) auch vollkommen konform

Das Problem liegt in der Beweiskraft von „Permanenz“ und „Zusätzlichkeit“. Zertifikate aus Emissionsvermeidung stützen sich auf die Argumentation: „Ohne unser Geld wäre dieses Projekt nicht zustande gekommen“. Removal-Zertifikate betonen stattdessen: „Diese Tonne CO₂ wurde der Atmosphäre tatsächlich entzogen und kehrt nicht mehr zurück“. Sobald eine Marke im Nachhaltigkeitsbericht (Sustainability Report) oder im CDP-Fragebogen (Carbon Disclosure Project) angeben muss, ob Removal Credits genutzt wurden, entscheidet diese Antwort direkt darüber, ob das Zertifikat des Druckerzeugnisses angerechnet werden kann

Aus meiner Erfahrung bei der Prüfung von Lieferantennachweisen in den letzten Monaten lässt sich sagen: Die Klimaneutralitätszertifikate der taiwanischen Druckereien bewegen sich bisher fast ausnahmslos im Bereich Avoidance. Echte Projekte mit geprüfter Entnahme (Verified Removal) sind mir im Druckbereich noch nicht begegnet. Das ist keine Schuldfrage, sondern eine Frage der Marktstruktur: Eine einzelne Druckauflage in Taiwan verursacht meist nur einige Dutzend bis Hunderte Kilogramm CO₂e (CO₂-Äquivalente, also die Gesamtemissionen umgerechnet auf CO₂). Der Kauf von Removal Credits, die oft nur im großen Maßstab gehandelt werden, ist für solche Mengen wirtschaftlich schlicht unrentabel

Welche Schritte sollte der Einkauf jetzt anpassen?

Ausschreibungsunterlagen müssen angepasst werden – das ist die Hürde, auf die wir in Lieferantengesprächen derzeit am häufigsten stoßen. Ich empfehle ESG-Verantwortlichen und Druckeinkäufern auf Markenseite, Carbon Claims über drei gezielte Filter in die Lieferantenbewertung einzubinden:

1. Offenlegung der Kompensationsart einfordern: Ergänze in der RFQ-Vorlage (Request for Quotation) ein Pflichtfeld für „Verwendeter Carbon-Credit-Typ (Avoidance / Removal / Gemischt)“, „Zertifizierungsstelle“ und „Geplante Stilllegungsmenge (in Tonnen CO₂e)“

2. Carbon Claims als Bewertungskriterium verankern: Setze diesen Punkt gleichberechtigt neben Preis, ISO 9001/14001 sowie Nachweise für Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft wie FSC (Forest Stewardship Council) oder PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification). Eine Gewichtung von 10–20 % ist angemessen

3. Nachweise und Stilllegungszertifikate vertraglich festlegen: Verlange vom siegreichen Anbieter die Gutschriftsnummer sowie das offizielle Stilllegungszertifikat (Retirement Certificate), das in ESG-Berichten von Dritten überprüft werden kann

Dieser Ablauf soll Druckereien nicht überfordern, sondern transformiert vage Werbeaussagen in eine überprüfbare vertragliche Pflicht. Für einen Pilotversuch bieten sich Produkte mit hoher Markenrelevanz und fokussiertem Fußabdruck an – etwa Geschäftsberichte, Brand Books oder limitierte Geschenkverpackungen

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Werden kleine und mittlere Druckereien von den neuen Regeln getroffen?

Ja, und zwar spürbar. Die Compliance-Vorgaben der Markenkunden ziehen seit Monaten an. Für kleine und mittlere Druckereien ist der teure Kauf von Removal Credits bei Aufträgen von wenigen Hundert Kilogramm jedoch keine sinnvolle Option. Ein pragmatischer Weg verläuft über drei Stufen:

・Materialebene: Bevorzuge FSC-zertifiziertes Papier, regionales Recyclingpapier und Sojadruckfarben. Hier ist der Hebel zur Emissionsreduzierung am größten und die Stückkosten bleiben gering

・Prozessebene: Führe eine CO₂-Bilanzierung durch (ISO 14064-1 als internationaler Standard für Treibhausgasinventare). Transparente Realdaten überzeugen Kunden deutlich mehr als ein zugekauftes Zertifikat

・Kommunikationsebene: Fasse klar und verständlich zusammen, was wie stark reduziert und was kompensiert wurde, und lege diese Info den Lieferdokumenten bei. Das schafft mehr Vertrauen bei Marken als reine Nachweise

MINDS hat diesen dreistufigen Reduktionsansatz bei maßgeschneiderten kommerziellen Druckaufträgen im mittleren bis gehobenen Segment bereits fest in den Angebotsprozess integriert. Interessierte Marken können diese Übersicht direkt im Rahmen ihrer Anfrage anfordern

Welche konkreten Veränderungen kommen in den nächsten zwei Jahren auf den Einkauf zu?

Der nächste Wendepunkt rückt näher: Marken werden die Unterscheidung zwischen Vermeidung und Entnahme in ihre jährlichen Lieferantenaudits aufnehmen. Aus Gesprächen mit internationalen Kunden zeichnet sich ab, dass dieses Thema spätestens Ende 2026 in den überarbeiteten Verhaltenskodizes für Lieferanten (Supplier Code of Conduct) verankert sein wird

Für den Druckeinkauf in Taiwan erwarte ich drei konkrete Veränderungen:

・Ein neues Feld für den „Carbon-Credit-Typ“ in Ausschreibungen, zunächst erprobt bei Geschäftsberichten und Sonderverpackungen

・Präzisere Formulierungen im Nachhaltigkeitsbericht: Statt „klimaneutral gedruckt“ heißt es künftig „Kompensiert mit XX Tonnen CO₂e (Kategorie Avoidance)“

・Einige Premium-Marken werden für Geschenkboxen oder Event-Materialien reine Removal-Claims fordern. Das treibt die Nachfrage nach kleinen Mengen hochpreisiger Removal Credits an

Für Einkäufer gibt es jetzt genau eine Aufgabe: Zieh die bestehenden Zertifikate deiner Lieferanten heraus und prüfe die Kompensationsart. Fehlt diese Angabe, frage kurz nach. Diese Prüfung dauert zehn Minuten, bringt dich aber ein ganzes Jahr voraus

Welche konkreten Veränderungen kommen in den nächsten zwei Jahren auf den Einkauf zu?|Carbon Offsets im Rückzug, Carbon Removal im Aufwind: Wie der Druckeinkauf Schritt hält Abschnittsbild

Kernaussagen

・Der Rückzug von Offsets und der Aufstieg von Carbon Removal resultieren aus strengeren Vorgaben des freiwilligen Kohlenstoffmarktes und verfeinerten ESG-Standards

・Bei Drucksachenzertifikaten muss klar zwischen Emissionsvermeidung und tatsächlicher Entnahme unterschieden werden – Dauerhaftigkeit und Zusätzlichkeit bilden die Kriterien

・Eine Anpassung von RFQs auf drei Ebenen – Offenlegung der Kreditart, Einbindung in die Bewertung und vertragliche Stilllegung – ist die pragmatischste Maßnahme

・Für kleine und mittlere Druckereien ist ein dreistufiger Ansatz aus Material, Prozess und Kommunikation wirtschaftlicher als der Kauf teurer Removal Credits

・In den nächsten zwei Jahren wird die Unterscheidung Bestandteil von Lieferantenaudits; eine frühzeitige Vorbereitung verschafft klare Vorteile

Weiterführende Gedanken

Das tiefere Signal für die Druckbranche lautet: Carbon Claims wandeln sich vom Marketinginstrument zur Bilanzposition. Sobald sie bilanzrelevant werden, muss jede Gutschrift prüfbar, stilllegbar und drittverifiziert sein. Das erzwingt echte Datentransparenz entlang der gesamten Lieferkette. Für das Team von MINDS und potenzielle Kunden ergibt sich daraus ein klarer Mehrwert von KI- und SaaS-Lösungen: Ihre Aufgabe liegt nicht mehr bloß beim Berechnen von Emissionen, sondern im Übersetzen unterschiedlicher Carbon Claims in eine einheitliche Bilanzsprache. Nur so lassen sich ESG-Berichte von Marken nahtlos mit den Prozessdaten der Druckereien verbinden. Das Spielfeld künftiger Systeme für Einkaufsentscheidungen liegt damit bei der Zertifikatsprüfung und der Nachverfolgung von Stilllegungen

Weiterführende Literatur

FAQ

Wie unterscheide ich als Druckeinkäufer am schnellsten zwischen Vermeidung und Entnahme?
Verlange vom Lieferanten eine klare Kennzeichnung des Zertifikats im Angebot. Avoidance (Vermeidung) betrifft meist Aufforstungs- oder Erneuerbare-Energien-Projekte. Removal (Entnahme) umfasst Technologien wie CCS, Pflanzenkohle oder Ozeanalkalisierung, die CO₂ direkt der Atmosphäre entziehen. Letztere unterliegen strengeren Prüf- und Permanenzanforderungen
Sind Zertifikate über klimaneutralen Druck noch sinnvoll?
Ja, aber ESG-Berichte von Marken fordern künftig Details zur genauen Kategorie. Einkäufer sollten Gutschriftsnummern und Stilllegungszertifikate vertraglich sichern, um bei Audits abgesichert zu sein
Müssen kleine und mittlere Druckereien in Taiwan zwingend Carbon-Removal-Zertifikate kaufen?
Nein. Bei Einzelaufträgen mit einigen Hundert Kilogramm CO₂e stehen die Mindestabnahmemengen von Removal Credits (oft erst ab 1.000 Tonnen) in keinem Verhältnis zu den Kosten. Ein pragmatischer Weg umfasst Emissionseinsparungen bei Material, Prozess und Kommunikation, ergänzt durch Avoidance-Gutschriften je nach Kundenwunsch
Welche neuen Felder sollten in Ausschreibungen aufgenommen werden?
Mindestens drei Felder: Verwendeter Carbon-Credit-Typ (Avoidance / Removal / Gemischt), Name der Zertifizierungsstelle und geplante Stilllegungsmenge (in Tonnen CO₂e). Nach der Vergabe sollte das Stilllegungszertifikat (Retirement Certificate) als Anlage zur Lieferung verlangt werden
Welche Zertifizierungsstellen für Carbon Removal sind vertrauenswürdig?
Etablierte Stellen sind beispielsweise Verra (VCS-Standard), Puro.earth (spezialisiert auf Carbon Removal) und Gold Standard. Einkäufer müssen keine eigene Prüfinfrastruktur aufbauen – es genügt, auf offizielle Stilllegungszertifikate dieser Organisationen zu achten
Topic guideDer ultimative Leitfaden für Druckverfahren: Wie Sie zwischen Digital-, Offset-, Sieb- und Buchdruck richtig wählen und Kosten sparenThis article is part of the seriesRead the guide
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